Der Konflikt in Film und Fernsehen




In den Augen des Anderen: Filme über Israel/Palästina (Von Miriam Magall, 03.03.2006 auf hagalil)


http://www.hagalil.com/archiv/2006/03/filme.htm

An einem verschneiten Winterabend Anfang Februar, genauer, am Freitag, 3. Februar 2006 ab 22.15 Uhr, lud arte, der Fernsehkanal mit Anspruch auf Höheres, wieder einmal zu einem Themenabend: Ein Traum von Heimat, Israel und Palästina, zwei Völker, ein Land. Ein Thema, so griffig formuliert, dass es zweifelsohne viele Zuschauer zum Verweilen einlud.

Ich habe arte viele interessante Themenabende zu verdanken, u.a. auch einen unvergesslichen über Terror. Nie wird mir wohl das Bild jenes Selbstmordattentäters aus dem Gedächtnis gehen, dessen abgerissener Kopf über das Straßenpflaster von Jerusalem rollt. Wann immer ich von einem Selbstmordanschlag höre, ist es dieses Bild, das vor meinem geistigen Auge auftaucht.

Ein "Traum von Heimat" bietet glücklicherweise keine derartigen blutrünstigen Bilder. Nein, es ist die seelische, die emotionale Auseinandersetzung mit diesem Gebilde, das, je nach Betrachter, Israel oder Palästina heißt. Zu Worte oder besser zu Bilde kommen zwei Filmemacher, eine Israelin und ein Palästinenser.

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http://www.hagalil.com/archiv/2006/03/filme.htm

Vielleicht ist es auch kein Zufall, dass Hassans Film der visuell und technisch bessere Film der beiden ist. Schließlich heißt sein Produzent Hany Abu Assad, dessen weitaus bekanntereres Opus, Paradise Now , für einen Oscar nominiert ist -- nachdem er bereits einen Preis auf der Berlinale 2005 erhalten hat. Und genau diesen Film wollen wir nun etwas näher unter die Lupe nehmen.

Paradise Now und warum der Film nicht von der israelischen Filmförderung unterstützt wurde.

Es sind junge Männer, wie sie uns überall begegnen. Gut aussehend und in gut sitzende Anzüge gekleidet. Wer diesen Männern ein Leid antut, sollte bestraft werden. Aber nicht nur wegen ihres Aussehens. Schließlich sind sie lediglich die unschuldigen Opfer einer grundlosen, überflüssigen Besatzung. Die unschuldigen Helden schreiten zu einer Tat, die von ihrem Anfang bis zu ihrem Ende keine Opfer zeigt. Blutlos ist das Ganze. Die Gewalt existiert lediglich in den Köpfen. Nur Nashefs sanfte Augen und dann eine weiße Leinwand. Nicht einmal eine Detonation.

Der Gegner bleibt, ein geschickter Kunstgriff, namenlos. Es gibt keine "Juden", wie sonst so gerne in palästinensischen Filmen thematisiert, s.o., und auch kein "Israel". Das jüdische Israel existiert nur als "sie", als "Besatzung", als "Töten und Tötung" oder als "Ungerechtigkeit", für die es keine historische Rechtfertigung gibt.

Nur ein einziger Jude kommt im ganzen Film vor. Er entspricht dann aber ganz dem üblichen Klischee, das auch in Europa mehr als vertraut ist: Fettleibig, hässlich, schon etwas älter, mit Bart, ist er, dieser Abu Shabab, ein jüdischer Israeli, der die Terroristen nach Tel-Aviv fährt und sie bis zum Parkplatz des Delfinariums bringt. "Viel Glück!" wünscht er den Selbstmordattentätern, als er sich von ihnen trennt. Denn Geld für seine Dienste erhält er erst nach der "Operation", wie der Terroranschlag diskret umschrieben wird.

Warum musste ausgerechnet ein jüdischer Israeli als Helfer der potenziellen Terroristen genommen werden? Vorläufig hat es bei mehr als tausend (1000!) Terroranschlägen lediglich drei jüdische Kollaborateure gegeben! Statistisch betrachtet, handelt es sich bei den Helfern bei Terroranschlägen überwiegend um arabische Israelis.

Und noch ein uraltes antijüdisches Klischee wird bedient. Der Taxifahrer erklärt Nashef, dass die Siedler die Brunnen um Nablus vergiftet haben. Das taten sie, um den palästinensischen Kindern zu schaden. Nashef erhebt keinen Einspruch. Genauso wenig wie vermutlich die Zuschauer in Europa. Die Juden als Brunnenvergifter? Das klingt irgendwie bekannt!

Danach kommen wir zur nächsten Frage: Warum greifen diese netten jungen Männer zu solch einer drastischen Maßnahme? Alle, nicht nur sie betonen wieder und wieder, dass alle friedlichen palästinensischen Versuche zur Lösung des Konflikts und der "ethnischen Säuberungen" fehl geschlagen seien. Ergo, es bleibe ihnen gar nichts anderes übrig, als diese Selbstmordattentate zu verüben. Nur mit dem Massenmord jüdischer Israelis lasse sich dieses Problem lösen.

Klingt ebenfalls irgendwie bekannt? In der Geschichte wollte man "die jüdische Frage" ebenfalls durch Massenmord lösen. Das Böse, wie im Juden verkörpert, muss mit Gewalt aus der Welt geschafft werden. Vor über sechzig Jahren und auch heute noch!

Aber auch das: Wenn solch nette junge Männer, die nicht anders sind als wir alle, zu Selbstmordattentätern werden können, das ist die Botschaft von Paradise Now, können auch wir selbst Selbstmordattentäter werden. Und doch, diese beiden Mörder sind uns überlegen. Sie sind nämlich Gottes Sohn, in all seiner Pracht und seinem Ruhm. Das zeigt der nächste geschickte Kunstgriff.

Bilder sprechen eine machtvolle Sprache. Bevor die beiden aufbrechen, um sich zusammen mit nichtsahnenden Fahrgästen in einem israelischen Bus in die Luft zu jagen, nehmen sie ihr letztes Mahl ein. Das geschieht nicht allein, vielmehr essen sie in der Gesellschaft von elf Männern -- das entspricht genau der Zahl der Teilnehmer an Leonardo da Vincis berühmtem Letzten Abendmahl. Es gibt in der christlichen Welt wohl nur wenige Christen, die nicht mit diesem Gemälde vertraut sind. Ein moderner Jesus, ein unschuldiges Opfer.

In Israel hat sich die Begeisterung des Publikums für diesen Film in Grenzen gehalten, er wurde wegen fehlender Zuschauer bald aus dem Programm genommen. Schon davor hat die Israel Film Foundation den Antrag der Filmemacher auf Förderung abgelehnt. Damit hat sie sich einer Gelegenheit beraubt, einen Film in bester Nazi-Propaganda zu fördern. In anderen Ländern wiegen derartige Bedenken leichter. Zusammen mit dem deutschen Film Sophie Scholl wurde auch Paradise Now als Kandidat für den besten ausländischen Film in Hollywood nominiert. Da möchte man doch eher Sophie Scholl die Daumen drücken.

Themenabend bei arte am 3. Februar 2006 ab 22.15 Uhr:
"Mein Land Zion" von Yulie Cohen Gerstl und
"Der Olivenhain" von Nizar Hassan, Produzent Hany Abu Assad und "Paradise Now" von Hany Abu Assad.



Der Film Paradise Now

Paradise Now und der Krieg im Klassenzimmer

Paradise Now - dieser Film zeigt, wie man mit der filmischen Verherrlichung von palästinensischen Selbstmordattentätern internationale, insbesondere europäische Anerkennung erntet. In Deutschland empfiehlt man dieses Machwerk für den
Unterrichtseinsatz in Schulen, Kinos bieten Schulvorführungen an, und die mediale Öffentlichkeit überschlägt sich mit Preisen und Lobeshymnen:

  • Paradise Now für den Oscar vorgeschlagen - 27.09.2005
  • Paradise Now für Golden Globe nominiert - 14.12.2005
  • Paradise Now bekommt den Publikumspreis der 55.Internationalen Filmfestspiele Berlin (September 2005)
  • Paradise Now bekommt den Blauen Engel für den besten europäischen Film (September 2005)
  • Paradise Now bekommt den Friedenspreis von Amnesty International

Sympathieträger mit Hundeblick

Selbstmordattentäter sind eigentlich gute Menschen: Der enttäuschende Film "Paradise now"

von Alan Posener in der Welt 28.09.2005

Said ist Selbstmordattentäter in Nablus. Seit langem für diesen Job ausgebildet, zögern er und sein Freund Khaled keinen Augenblick, als ihnen Kader ihrer Organisation mitteilen, sie hätten das große Los gezogen und dürften am nächsten Tag in Tel Aviv einen Doppel-Massenmord veranstalten. So weit, so alltäglich in Terroristenkreisen. Aber wie man weiß, besteht der Trick guter Dramaturgie darin, das Happy End hinauszuzögern.

Das geht so: Beim Versuch, in Israel einzudringen, läuft etwas schief, die beiden Freunde werden getrennt, ihre Organisation taucht ab, und so gewinnt Said 24 Stunden, in denen er mit einem Sprengstoffgürtel unter der Jacke herumläuft, seine Mit-Djihadisten sucht und darüber nachdenken kann, ob er nicht lieber mit der reichen, hübschen und willigen Suha ins Bett gehen soll.

Am nächsten Tag gehen die Freunde los, und obwohl Khaled im letzten Augenblick kalte Füße bekommt, gelingt es Said endlich, sich und einen Bus voller Juden in die Luft zu sprengen. Mission Accomplished.

Soweit der Plot der deutsch-holländisch-französischen Koproduktion "Paradise Now". Das klingt nach einem Film, der in Puncto Langeweile auf der nach oben offenen Wenders-Skala ziemlich viele Punkte einheimsen könnte. So ist es auch. Zwischendurch regt sich zwar im Zuschauer die Hoffnung, dem recht ungeschickt mit seinem Gürtel hantierenden Said könnte es gelingen, sich aus Versehen in Nablus in die Luft zu jagen und wenigstens ein paar von seinen Hintermännern mit ins Paradies zu nehmen.

Aber irgendwie ist einem klar, daß diesem Sympathieträger mit dem Hundeblick (Kais Nashef) der Märtyrertod vergönnt sein wird. Schließlich wurde sein Vater als "Kollaborateur" liquidiert, und da gibt es einen Fleck an der Familienehre wegzuwischen.

Gegenargumente haben keine Chance. Sie werden einzig Suha (gespielt von der schönen Lubna Azabal) in den Mund gelegt, die als Tochter eines Märtyrers gut versorgt im Ausland gelebt hat und, so sagt es Said und so suggeriert es der Film, von den wirklichen Verhältnissen in den besetzten Gebieten keine Ahnung hat.

Hany Abu-Assads Film ist die erste Frucht des "World Cinema Fund", der gemeinsamen Filmförderung von Berlinale und Bundeskulturstiftung. Die Evangelische Filmjury, kürte "Paradise Now" zum Film des Monats, weil er dazu einlädt, "über die Motive der Attentäter nachzudenken". Amnesty International zeichnete ihn mit ihrem Friedenspreis aus, weil er weder "belehrend noch moralisierend" sei. Das stimmt: Niemand im Film sagt, daß es moralisch falsch sein könnte (und nicht nur politisch kontraproduktiv, wie Suha meint), massenhaft Unschuldige zu töten.

Die meisten deutschen Kritiker lobten die "differenzierte" Darstellung. Nun ist "Paradise Now" gewiß "differenziert" im Vergleich zu den haßtriefenden antisemitischen Propagandafilmen, die in allen arabischen Ländern allabendlich im Fernsehen laufen. Gewiß ist er "differenziert" im Vergleich zu den Videos, die Hamas, Hisbollah und Co. herstellen: Snuff Movies, in denen Kollaborateure ihre Untaten gestehen, bevor sie hingerichtet werden, und aufbauende Abschiedsreden von Märtyrern für die Sache Allahs und der Ölscheichs.

Über solche Amateurproduktionen macht sich der Film sogar ausdrücklich lustig: Khaled muß seine Rede noch einmal halten, weil die Videokamera nicht funktioniert. Hinzu kommt, daß Khaleds Rede voller ideologischer Phrasen ist und vom Blatt abgelesen wird. Nein, so geht das nicht.

"Paradise Now" zeigt, wie das geht: Als Said seinen Kommandeur um eine zweite Chance bittet, findet er die Worte, die Europäer in den Verlautbarungen der Terroristen so schmerzlich vermissen; Worte, die zu Herzen gehen - so wie Saids Geste zu Herzen geht, in einen Bus nicht einzusteigen, in dem ein süßes israelisches Kind mitfährt. So sind sie, die Mörder: eigentlich gute Menschen.

So zeigt der Film denn auch nicht Saids Tat: Frauen ohne Unterleib, Männer ohne Kopf, Kinder ohne Arme und Beine, Blut und Eingeweide in den Sitzreihen, verbrannte Fleischbrocken überall. Nichts davon: Nach einer Fahrt auf Saids Augen zu wird die Leinwand ganz licht und weiß und rein.

Bei den 55. Internationalen Filmfestspielen in Berlin 2005 gewann "Paradise Now" den Publikumspreis und den Blauen Engel für den besten europäischen Film.

Man könnte heulen.


www.epd.de/epdfilm_neu/33192_37428.htm

Ganz nah dran: «Paradise Now»
Der gelobte und umstrittene Film über palästinensische Selbstmordattentäter startet in den Kinos
Von Sabine Horst (epd)

www.lehrer-online.de/dyn/9.asp?url=492804.htm

"Paradise Now": Anmerkungen zum Filmheft

www.wadinet.de/news/iraq/newsarticle.php?id=1460

Selbstmord „für ein höheres ideelles Gut“?
www.matthiaskuentzel.de/contents/selbstmord-fuer-ein-hoeheres-ideelles-gut

Zur „Paradise Now“-Broschüre der Bundeszentrale für politische Bildung von Matthias Küntzel

www.welt.de/data/2005/09/28/781604.html

Alan Posener, Sympathieträger mit Hundeblick, in: DIE WELT, 28. September 2005
Selbstmordattentäter sind eigentlich gute Menschen: Der enttäuschende Film "Paradise now"

http://jungle-world.com/seiten/2005/40/6405.php

Zur Hölle mit dem Paradies!
»Paradise Now« plädiert für das Mitgefühl mit Selbstmordattentätern und das Verständnis für die Bombe. von markus ströhlein

http://jungle-world.com/seiten/2005/40/6393.php

Den Wahnsinn zeigen!
»Paradise Now« ist nicht zu einseitig, sondern zu differenziert. Als Propaganda für die Terroristen taugt er nicht. von andreas hartmann

Derselbe Artikel von Andreas Hartmann wird ausgerechnet auch noch mal bei Hagalil gezeigt:

www.hagalil.com/archiv/2005/10/paradise-now-1.htm

(warum die das nur gemacht haben???)


www.eussner.net/artikel_2005-10-06_21-05-20.html

Jungle World und "Paradise Now" - Ausgewogenheit im Urwald der Welt

www.netzeitung.de/voiceofgermany/362090.htmlwww.netzeitung.de/voiceofgermany/362090.html

Interview mit Esther Schapira zu Paradise Now

http://flatworld.blogg.de/eintrag.php?id=77

Flatworld: Was die Welt zusammenhält
Anmerkungen zur Außenpolitik von Clemens Wergin
13.10.05
Guter Kommentar mit Bericht von der
Podiumsdiskussion bei der Heinrich Böll Stiftung.

http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/13.10.2005/2113307.asp#art

Krieg im Klassenzimmer: Eine NAHOST-LEKTÜRE von Clemens Wergin

http://blog.zeit.de/kosmoblog/?p=97

Das Jugendform der deutsch-israelischen Gesellschaft hat eine Petition entworfen....
AI ueber Paradise Now
ai-Journal April 2005

AI-FILMPREIS

Explosive Mischung

Der Spielfilm »Paradise Now« des Regisseurs Abu Assad hat auf der Berlinale den ai-Filmpreis erhalten. Von Anabel Bermejo


www.deutscher-koordinierungsrat.de/01_04_mehr.php?pNUM=1&mID=17

(Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit)
Offener Brief an den Direktor der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger

Esther Schapiras Film "Der Tag, als ich ins Paradies wollte"




Esther Schapiras Film 'Drei Kugeln und ein totes Kind - Wer erschoss Mohammed al-Dura'



Israel in den Medien

Israel in den Medien

Fast täglich wird über Israel in den deutschsprachigen Medien berichtet. Ob Friedensprozeß, Regierungskrisen, Terror oder spektakuläre Militäraktionen – ständig gibt es Neuigkeiten. Was angesichts der Größe des Landes eigentlich erstaunen muß: Nur in Washington und Moskau sind noch mehr Journalisten akkreditiert als in Jerusalem. Quantitative Defizite in der Berichterstattung gibt es also keine. Doch bei der journalistischen Gratwanderung, die Realitäten vor Ort einerseits knapp und trotzdem verwoben in den komplexen politischen, soziologischen und historischen Kontext darzustellen, fällt die Entscheidung nur allzu oft zugunsten einer auf Gewalt reduzierten Medienberichterstattung. Israel in den Medien – das heißt in der Regel die Fixierung auf das Fanatische und Militärische, auf grenzenlose Gewalt und polarisierende Politiker. Andere Lebenswirklichkeiten werden vielfach ausgeblendet. So entsteht fast zwangsläufig der Eindruck, als ob es sich bei Israel um eine Gesellschaft im permanenten Ausnahmezustand handelt. Aber noch etwas ist zu beobachten: Seit dem Beginn der 2. Intifada im Herbst des Jahres 2000 hat sich der Ton gegenüber Israel dramatisch verschärft. Gerade die deutschsprachige Medienberichterstattung über Israel ist zunehmend von Ressentiments geprägt. Meinungen ersetzen Informationen, Behauptungen bleiben ohne Beweise, Zusammenhänge fehlen oft. Printmedien und TV bedienen sich dabei immer häufiger Bildern und Begriffen, die vom Leser und Zuschauer als Bestätigung ihrer Vorurteile gegenüber Juden im Allgemeinen, Israelis im Besonderen, aber auch gegenüber Palästinensern verstanden werden. Und obwohl sich zunehmend ein negatives Israel-Bild in der Öffentlichkeit manifestiert, behaupten Politiker immer noch, ein „Tabu zu brechen“, wenn sie Israel kritisieren.



Studie der Bundeszentrale für politische Bildung zur Nahostberichterstattung in deutschen Medien


Lesen Sie hier...



Der Film "The Hebrew Hammer!"



http://www.thehebrewhammer.com/



Der Hisbollah-Hetzsender "al-manar" (11.1.2006)

Tödliche Sendung

Von Daniel Kilpert
Jungle World 2 v. 11.01.2006

Die meisten islamistischen Organisationen verfügen über eigene Zeitungen und Radio­stationen. Die vom Iran gesteuerte Terror-Miliz Hizbollah besitzt mit der TV-Station al-Manar ein einzigartiges Propagandainstrument, das sieben Tage die Woche und 24 Stunden täglich eine große Auswahl an Nachrichten, Kommentaren und Entertainment bietet. Ihre Direktiven erhält sie direkt aus dem Büro des Hizbollah-Generalsekretärs, Sayyid Hasan Nasrallah. Die meis­ten Mitarbeiter sind ehemalige Kämpfer. Al-Manar (auf deutsch: "der Leuchtturm") glorifiziert Selbstmordanschläge, ruft zum Jihad auf und verbreitet Antisemitismus der extremsten Sorte.

Mittlerweile haben die europäischen und ame­rikanischen Satellitenanbieter al-Manar zwar aus dem Programm genommen. Zwei Anbieter übertragen den Sender jedoch weiterhin: Arabsat mit Sitz in Saudi-Arabien und Nilesat, bei dem die ägyptische Regierung der Mehrheitsanteilnehmer ist. Damit ist al-Manar in Europa – anders als in Amerika, Asien, Australien und weiten Teilen Af­rikas – auch weiterhin zu empfangen. Dem Landesverfassungsschutzamt Baden-Württemberg zufolge spielt der Sender hierzulande durchaus eine Rolle: Zur pro-palästinensischen Demonstrationen im April 2002 wurde von al-Manar aufgerufen; so wurden mehr als 10 000 Menschen auf die Straße gebracht. Und sogar in einigen Berliner Nobelhotels braucht der Gast nicht auf die Hetze von al-Manar zu verzichten: Unter anderem das Radisson SAS in Berlin-Mitte empfängt den Sender.

Avi Jorisch vom Washington Institute for Near East Policy bezeichnet al-Manar als "eine operati­ve Waffe in der Hand einer der gefährlichsten terroristischen Organisationen der Welt". Seinen Sitz hat der 1991 gegründete Sender in einer von Schiiten bewohnten Gegend in einem Vorort von Beirut, der stark von der Hizbollah geprägt ist. Vor der TV-Station stehen bewaffnete Sicherheitskräfte der Hiz­bollah. Das Archiv des Senders ist aus Angst vor israelischen oder amerikanischen Angriffen im Kellergeschoss untergebracht. Nach Auskunft des Landesverfassungsschutzamtes Baden-Württemberg zählt al-Manar "zu den beliebtesten Fernsehsendern unter Ara­bern weltweit". Schätzungen zufolge gehört al-Manar zu den fünf wichtigsten Fernsehstationen in der arabischen Welt und erreicht zehn Millionen Zuschauer täglich.

Mitarbeitern des Senders zufolge, die von Avi Jorisch für sein Buch "Beacon of Hatred. Inside al-Manar Hizbullah Television" interviewt wurden, ist al-Manar dazu da, "Menschen auf den Weg zu helfen, das zu verüben, was im Westen im allgemeinen als Selbstmord­attentat bezeichnet wird". Der Sender verfügt über direkte Kontakte zu praktisch allen militanten islamistischen Gruppen und hilft ihnen durch Exklusiv-Interviews und Hintergrundberichte bei der Rekrutierung und Image­pflege. So geben palästinensische Terrorgruppen ihre Kommandoerklärungen bevorzugt an al-Manar, der ständige Korres­pondent im Gaza-Streifen etwa hat enge Ver­bindungen zum Islamischen Jihad und schreibt auch für deren Zeitungen. Typisch sind Interviews wie ein im September vergangenen Jahres ausgestrahltes Gespräch mit dem verurteilten Islamisten Ahmad Rami, Leiter des Radio Islam in Schweden, der auf al-Manar unter anderem erklärte, die Juden hätten die USA, Frank­reich und den gesamten Westen okkupiert. Außerdem gelte der wahre Kampf des Islam den Juden, da das Judentum keine Religion, sondern eine kriminelle und gefährliche Mafia sei.

Berühmt und berüchtigt wurde al-Manar vor allem durch die Berichterstattung über den Kampf der Hizbollah gegen Israel im Südlibanon. Damals waren Kamerateams direkt mit Hizbollah-Terroristen unterwegs und oft auch schon im Vorfeld von Attacken am Schauplatz. Al-Manar hoffte, dass Israelis den Tod ihrer eigenen Soldaten in Echtzeit am Fernsehschirm verfolgen könnten. Zu diesem Zweck gab es sogar Sendungen auf Hebräisch. Alle hebräisch­sprachigen Mitarbeiter von al-Manar sind ehemalige Hizbollah-Kämpfer, die in israelischen Gefängnissen die Sprache erlernt haben. Die Hizbollah brüstet sich heute mit der Behauptung, die Sendungen hätten eine wichtige Rolle beim Rückzug Israels aus dem Südlibanon gespielt. Mit dem Irak-Krieg fand al-Manar neben dem Kampf gegen Israel ein neues Hauptthema: den "Widerstand gegen den großen Satan USA".

Neben den Nachrichten gibt es viele selbst produzierte Sendungen. Während des muslimischen Fastenmonats Ramadan wurde auf al-Manar eine antisemitische Serie ausgestrahlt, die an die "Protokolle der Weisen von Zion" angelehnt ist und behauptet, die Juden hätten einen geheimen Plan zur Weltbeherrschung. In einer Episode wird ein jüdischer Ritualmord an einem christlichen Kind dargestellt, der dazu diene, "aus seinem Blut Matzen für Pessach zu backen". Al-Manar war es auch, der nach dem 11. September behauptete, die Anschläge seien in Wirklichkeit "von den Juden, Israel und dem Mossad" begangen worden und 4 000 Juden hätten überlebt, da sie gewarnt worden seien. Für die Propaganda besonders wichtig sind auch die Musikclips, in denen Terroristen als Märtyrer gefeiert werden. Für die Kleinsten gibt es ein eigenes Kinderprogramm mit Zeichentrickfilmen und Spie­len, die dazu ermuntern, Selbstmordattentäter zu werden.

In Frankreich zwang die Aufsichtsbehörde im Dezember 2004 nach einem Regierungsbeschluss den Satellitenanbieter Eutelsat, die Ausstrahlung von al-Manar einzustellen. Spanien und Holland folgten dem französischen Beispiel, mittlerweile haben sieben Satellitenanbieter al-Manar aus dem Programm genommen. Kurz nach dem französischen Verbot setzte der US-amerikanische Senat al-Manar auf die Anti-Terror-Liste. Nun können Mitarbeiter des Senders nicht mehr in die USA einreisen oder können ausgewiesen werden.

Kritik an der Entscheidung kam von der Organisation Reporter ohne Grenzen. In einer Erklärung schrieben sie: "Auch wenn einige (sic!) der antisemitischen Äußerungen, die von al-Manar gesendet wurden, unentschuldbar sind, so bereitet es uns Sorgen, diesen Fernsehsender in dieselbe Kategorie wie Terroristengruppen einzuordnen." Der Interna­tionale Journalistenverband (IFJ), dem in Deutschland mit den in verdi zusammengeschlossenen Jour­nalisten und dem Deutschen Journalistenverband die beiden größten Berufsorganisationen angehören, verurteilte das französische Vorgehen als "Zensur". Es gäbe bald keine Fernsehsender mehr, wenn diese jedes Mal geschlossen würden, wenn in einem Sender "anstößige und inakzeptable Äußerungen" gemacht werden.

Auf dem Sender hatte auch die Deutsche Telekom über ihre im Libanon tätige Tochterfirma Fal Dete Telecommunications geworben, wie der Spiegel in einer Notiz Mitte November 2005 meldete. Und finanzierte den Sender so indirekt mit. Die Konzernzentrale zeigte sich zwar schockiert, kündigte aber nur zaghaft eventuelle Konsequenzen an. Wenn dies noch einmal passiere, müsse man eben darüber nachdenken, sich von der betreffenden Fir­ma zu trennen. Erst vor etwa drei Jahren stoppten die meisten transnationalen Unternehmen, darunter Pepsi, Coca-Cola, Milka und Maggi, ihre Werbung, als ihnen bekannt wurde, in welches Umfeld sie da geraten waren. Die Telekom sollte so eigentlich nicht mehr auf den Wiederholungsfall warten müssen, um Konsequenzen zu ziehen.

hagalil.com 12-01-2006

http://www.hagalil.com/archiv/2006/01/al-manar.htm Der Hisbollah-Hetzsender "al-manar" (11.1.2006)



Frontal21 im ZDF „Judenhetze im Namen Allahs“ am 07.02.2006

Am 7. Februar ist in der TV-Sendung Frontal21 im ZDF der Beitrag „Judenhetze im Namen Allahs“ von den Autoren Christian Esser, Herbert Klar und Anke Lang anlässlich des „Karikaturenstreits“ über die antiisraelische und antisemitische Hetze der arabischen Medien und Geistlichen ausgestrahlt worden.
Beitrag auf der Website des ZDF:<

Inhalt der ZDF-Sendung


Filmbeitrag aus Frontal21


Manuskript des Filmebeitrages aus Frontal21

Judenhetze
im Namen Allahs

Propagandakrieg
gegen den Westen

Sie bezeichnen Juden ungehindert als Schweine. Sie schüren Hass auf die westliche Welt und auf Israel. Mehrere arabische Sender, die islamistische Propaganda verbreiten, sind auch in Deutschland über Satellit zu empfangen. Dazu gehören die Sender Al-Manar aus dem Libanon und Iqra-TV aus Saudi-Arabien. Die Wirkung der Hetze bleibe nicht aus, berichtet die Berliner Schuldirektorin Marion Berning Frontal21.
"Wir haben den Eindruck, dass gerade diese Fernsehsender einen sehr großen Einfluss auf die arabischen Jugendlichen haben", sagt Berning, die die Rixdorfer Grundschule im Bezirk Neukölln leitet. "Vor allen Dingen auch auf die männlichen Jugendlichen." Ein Schüler der sechsten Klasse habe beispielsweise in einem Aufsatz geschrieben, man solle alle Juden ins Meer treiben und das Land den Palästinensern zurückgeben. Die Schule hat nach Bernings Angaben einen Ausländeranteil von 82 Prozent.

Auch die Medienforscherin der Pariser Online-Zeitschrift Proche-Orient-Infoservice, Nicole Leibowitz, ist von der hasstreibenden Wirkung der islamistischen Programme überzeugt. "Es handelt sich um eine sehr ausgefeilte Strategie, die zudem ihre Früchte trägt", sagt die Wissenschaftlerin, die auch im Auftrag des Transatlantischen Instituts in Brüssel die Inhalte arabischsprachiger Sender untersucht hat. Als Beispiel verwies sie auf die Affäre um dänische Karikaturen, auf die Gläubige in der arabischen Welt mit Gewalt und Demonstrationen reagieren.

"Aufruf zur Gewalt"

Nach Einschätzung von Leibowitz erzeugen die Propaganda-Programme Gewalt. "Natürlich handelt es sich hier um einen Aufruf zur Gewalt, da durchweg behauptet wird, dass die Juden das Blut von arabischen Kindern trinken, dass die Juden arabische Kinder töten, dass die Juden Barbaren seien", erklärt Leibowitz. Das Ziel der Fernsehmacher sei sehr deutlich. "Wenn man so etwas sendet, möchte man vermutlich unter denen, die zuschauen und verstehen, Hass und vielleicht sogar Krieg anheizen, zumal es sich hier auch um Aufrufe zur Vernichtung des Anderen handelt."

Die Regierungen der Länder, aus denen die Programme stammen, tolerieren die Hass-Propaganda der Fernsehsender oder unterstützen sie sogar finanziell. Das erklärt der Medienwissenschaftler Jochen Müller vom Middle East Media Research Institute (MEMRI) in Berlin. Das Institut beobachtet arabischsprachige und iranische Medien, die auch in Deutschland zu sehen sind.

"Keine Randerscheinung"

Hass-Propaganda sei keine Randerscheinung sagt Müller. Regierungen würden selbst dann nicht gegen Sendungen einschreiten, wenn bei uns der Tatbestand der Volksverhetzung erfüllt würde. Auch innerhalb der Bevölkerung gebe es sehr wenige Stimmen, die an den Inhalten Anstoß nähmen.

Die Hassbotschaften werden dann über arabische Satelliten in der ganzen Welt ausgestrahlt. Viele der insgesamt mehr als 100 arabischen Satellitenkanäle sind auch in Europa zu empfangen. Dort würden sie vor allem in muslimischen Haushalten eingeschaltet, sagt Leibowitz. "Denn dort, wo arabisch gesprochen wird, werden auch diese Sender gesehen."

Kontrolle schwierig

Für europäische Regierungen ist es schwierig, das Angebot zu kontrollieren. Zwar gibt es mittlerweile einzelne Verbote auf europäischen Satellitensystemen. Solange jedoch arabische Satellitenanbieter wie Arabsat und Nilesat die Sender im Angebot behalten, können sie auch weiter in Europa empfangen werden. Ein prominentes Beispiel ist der Sender Al-Manar aus Beirut: Er wurde mittlerweile vom europäischen Satellitensystem verbannt, kann aber trotzdem auch in Deutschland weiter gesehen werden.

Die Neuköllner Schuldirektorin Marion Berning versucht unterdessen weiter, den Folgen der Hasspropaganda entgegenzuwirken. Sie entgegnete dem Schüler, der die Vertreibung der Juden gefordert hatte: "Ist es nicht so, dass alle Menschen wie Menschen behandelt werden sollen?" Daraufhin habe sie die Antwort bekommen: "Alle ja, nur nicht die Juden."

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