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Palästinensische Schulbücher (4.01.2003)
- 18.04.2007: Palästinensische Schulbücher leugnen weiterhin die Shoah
- 20.03.2007: Neue palästinensische Schulbücher lehnen Existenz Israels und Frieden ab (Untersuchung von „Palestinian Media Watch“)
- 23.11.2004:"Palestinian Media Watch": Kinder werden umfassend zu Hass erzogen.
- 04.01.2003: Was palästinensische und israelische Schulbücher über den Nahost-Konflikt erzählen, Chaim Schneider
18.04.2007:
Palästinensische Schulbücher leugnen weiterhin die Shoah
Die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) hat ein neues Schulbuch für die 12. Klasse mit dem Titel „History of the Arabs and World in the 20th Century“ herausgegeben. Es ist offensichtlich, dass die Nicht-Erwähnung der Shoah auf einer bewussten Entscheidung der für das Erziehungswesen in den palästinensischen Gebieten Verantwortlichen beruht.
Zwar werden die Nazis, ihre Ideologie und ihre Verbrechen ausführlich thematisiert, doch fehlt jeglicher Hinweis auf die Shoah und die Juden. Es stellt eine sehr effiziente Form der Holocaust-Leugnung dar, einerseits den Zweiten Weltkrieg im Detail zu beschreiben, andererseits aber kein Wort über die Verfolgung bzw. Vernichtung der europäischen Juden zu verlieren.
Auszüge aus dem Schulbuch und weitere Hintergründe in englischer Sprache finden sich unter dem Link http://www.pmw.org.il/Bulletins_apr2007.htm#b180407
Neue palästinensische Schulbücher lehnen Existenz Israels und Frieden ab (20.03.2007)
Neue Schulbücher für palästinensische Schüler der 12. Klasse lehnen die Existenz Israels ab und versuchen in keiner Weise, die Schüler zum Frieden und zur Koexistenz zu erziehen. Dies veröffentlichte die Organisation „Palestinian Media Watch“ (PMW, http://www.pmw.org.il), die palästinensisch-arabische Medien und Schulbücher untersucht. Die primären Ergebnisse des Berichtes werden heute dem Ausschuss für Bildung und Kultur der israelischen Knesset vorgestellt.
„Der Lehrstoff weist wiederholt Israels Existenzrecht zurück, präsentiert den Konflikt als einen religiösen Kampf des Islams, bezeichnet Israels Gründung als Imperialismus und zeichnet sowohl verbal als auch visuell ein Bild des Nahen Ostens, auf dem Israel überhaupt nicht existiert“, schrieb die Organisation in einem Februar-Bericht mit der Überschrift „Vom nationalistischen Kampf zum religiösen Konflikt: Neue palästinensische Schulbücher für Zwölftklässler präsentieren eine Welt ohne Israel“.
Laut dem Bericht beschreibt das Schulbuch die Gründung des Staates Israel wie folgt: „Palästinas Krieg (im Jahr 1948) endete mit einer beispiellosen Katastrophe in der Geschichte, als zionistische Banden Palästina stahlen und seine Bewohner aus deren Städten, Dörfern, von deren Land und aus deren Häusern vertrieben und den Staat Israel gründeten.“
Die Schulbücher wurden vom „Zentrum für die Entwicklung des palästinensischen Lehrplans“ verfasst und Ende 2006 von der palästinensischen Autonomiebehörde eingeführt, so der Bericht.
„Israels Gründung als ‚beispiellose Katastrophe in der Geschichte’ und als Diebstahl ‚zionistischer Banden’ zu definieren und außerdem zahlreiche hasserfüllte Beschreibungen Israels als ‚kolonial-imperialistisch’ und ‚rassistisch’ hinzuzufügen und den Konflikt als religiösen Krieg darzustellen, lässt den Schülern keinen Spielraum für die Entwicklung positiver oder zumindest neutraler Ansichten über Israel.“, schreiben PMW-Direktor Itamar Marcus und die stellvertretende Direktorin Barbara Cook in dem Bericht.
Marcus und Crook merken an, dass Israel auf den Landkarten des Schulbuches nicht existiert. „Die Landkarten der Region lehren die Schüler ebenfalls, eine Welt ohne Israel zu sehen, da Israel auf keiner Landkarte existiert. Die Gegend wird als ‚Palästina’ bezeichnet“, so der Bericht weiter.
Vollständiger Bericht in englischer Sprache: http://www.pmw.org.il/BookReport_Eng.pdf
"Palestinian Media Watch": Kinder werden umfassend zu Hass erzogen.
(23.11.2004)
Itamar Marcus, Direktor von "Palestinian Media Watch", analysiert im derStandard.at- Interview die "Propaganda" der Palästinensischen Autonomiebehörde
Wien – "Was ist besser, Friede und volle Rechte für das palästinensische Volk, oder Shahada"? Im derStandard.at-Interview spricht Itamar Marcus, der Direktor von "Palestinian Media Watch" (PMW) über "Propaganda der Palästinensischen Autonomiebehörde, die Kinder und Jugendliche" indoktriniere, den "wahren Sinn des Lebens", den Tod als Märtyrer zu suchen. Bei den Verhandlungen zwischen Israel und der Palästinensischen Autonomiebehörde deckte er das Thema "Hetze" ab. Der Krieg gegen Israel, die sogenannte "Intifada" wurde nicht aus Hass auf Israel gestartet, sondern um den Hass auf Israel propagieren zu können, um so von Korruption und mangelndem Zuspruch unter der eigenen Bevölkerung abzulenken, meint der Medienforscher.
* * *
derStandard.at: Was ist das Tätigkeitsfeld von "Palestinian Media Watch"?
Marcus: "Palestinian Media Watch" wertet seit rund 8 Jahren palästinensische Zeitungen, Fernsehen, Videofilme und Schulbücher aus. Unser Ziel ist es, ein umfassendes Bild der palästinensischen Gesellschaft zu gewinnen. Wir wussten, was die Palästinenser gegenüber internationalen Medienvertretern auf Englisch sagten, aber wir wollten wissen, was die Palästinenser auf Arabisch in ihren Medien berichteten. Speziell interessierte uns, welche Inhalte Kinder und Jugendliche konsumieren. Die Inhalte, die diese Kinder jetzt erlernen, prägen die Ansichten, die die nächste Generation auch in bezug auf Israel haben wird. Was steht also in Schulbüchern, wie sieht das offizielle Kinder- und Jugendprogramm des Fernsehens der Palästinensischen Autonomiebehörde aus, welche Videoclips laufen und was wird mit diesen propagiert? Wir lesen nicht nur "Politisches" sondern auch Sportberichterstattung, Dichtung, Filmrezensionen bis hin zu Kreuzworträtseln, um so das Verhältnis der Palästinensischen Gesellschaft zu Israel und den Juden einschätzen zu können.
derStandard.at: Sie sagen, der Focus Ihrer Beobachtungen liegt auf der Indoktrination von Kindern. Wie funktioniert diese?
Marcus: Kinder werden umfassend zu Hass erzogen. In offiziellen Schulbüchern in den palästinensischen Autonomiegebieten wurde nach internationalen Protesten der Aufruf zur Vernichtung des Staates Israels gelöscht, auf den Landkarten kommt Israel aber noch immer nicht vor. Es ist also nicht verwunderlich, wenn palästinensische Kinder davon sprechen, dass Städte wie Haifa oder Tel Aviv ihre Heimat wären, die es zu befreien gilt. In den Büchern für den Sprachunterricht sind Gedichte abgedruckt, die den Märtyrertod von Kindern verherrlichen. Ein vom Erziehungsministerium ausgerichtetes Fußballturnier für Vierzehnjährige wurde unter dem Namen des Selbstmordattentäters, der 2002 in Netanja mehr als dreißig Israelis tötete, ausgetragen und jedes der teilnehmenden Teams nach einem Attentäter benannt. Ein von der UNESCO gesponsertes Sommercamp für Mädchen trug den Namen der ersten weiblichen Selbstmordattentäterin, Wafa Idris. Und das offizielle Fernsehen der Palästinensischen Autonomiebehörde strahlt täglich Propagandaclips aus, die Kinder zum Tod als Märtyrer auffordert.
derStandard.at: Wie nehmen palästinensische Kinder und Jugendliche diese Botschaften an?
Marcus: Wenn Kinder und Jugendliche interviewt werden, äußern sie offen den Wunsch, als Shahid (Märtyrer) zu sterben. Beispielsweise antwortete ein 11-jähriges palästinensisches Mädchen, Walla, in einem Interview, das am 9. Juni 2002 im Fernsehen der Palästinensischen Autonomiebehörde ausgestrahlt wurde, auf die Frage, was denn besser wäre, "Friede und volle Rechte für das palästinensische Volk oder Schahada (Anm.: den Tod für Allah zu suchen)?" sie werde ihre vollen Rechte erhalten, sobald ihre Mission des Märtyrertods erfüllt sei. In Israel gab es bereits Selbstmordkommandos von Dreizehn- und Vierzehnjährigen. In ihren Abschiedsbriefen verwendeten sie Formulierungen, die den Texten, die zuvor im offiziellen palästinensischen Fernsehen ausgestrahlt wurden, entsprachen. In einem dieser Spots hieß es: "Suche den Tod und dir wird das Leben gegeben werden."
derStandard.at: Wie hoch ist die Zustimmung zu Selbstmordanschlägen und Terror?
Marcus: Den offiziellen palästinensischen Umfragen zufolge würden 79 Prozent der palästinensischen Bevölkerung Selbstmordkommandos nicht als Terrorismus einstufen, 71 Prozent finden es gut, wenn Fußballturniere beispielsweise unter dem Namen von Märtyrern abgehalten werden. Die Indoktrinationsbemühungen der Palästinensischen Autonomiebehörde zeigen auch bei Kinder und Jugendlichen großen Erfolg. Öffentlichen Umfragen zufolge streben 72 bis 80 Prozent der Kinder und Jugendlichen den Tod als Shahid an.
derStandard.at: War die Zustimmung zu Terror und Gewalt immer so hoch?
Marcus: Bis in das Jahr 2000, knapp vor Beginn des neuerlichen Kriegs, war Israel bei den Palästinensern populärer als die eigene Regierung. Es gab nach dem Oslo-Prozess regelmäßige Umfragen unter den Palästinensern, welche Länder für sie führend seien bei den Themen "Demokratie und Menschenrechte". 1996 lag Israel mit 79 Prozent an erster Stelle, 1999 waren es noch 75 Prozent. Die Werte von Arafats Autonomiebehörde fielen von 50 Prozent im Jahr 1996 auf nur 22 Prozent im Jahr 2000. Aus meiner Sicht liegt hier auch der Schlüssel für den Ausbruch der sogenannten "Al-Aksa-Intifada".
derStandard.at: Die Palästinensische Autonomiebehörde startete also die neue Gewaltwelle, um von den eigenen Problemen, wie mangelnder Zuspruch unter der Bevölkerung und Korruption abzulenken?
Marcus: Ja. Eine Regierung, die dermaßen unpopulär ist und nichts an den eigenen Strukturen ändern will, schafft einen äußeren Feind. Und genau das hat die Palästinensische Autonomiebehörde gemacht. Die Hasspropaganda nahm immer größere Ausmaße an, bis zu aktiven Aufrufen im Jahr 2000 Gewalt gegen Israel und die Juden anzuwenden. In diesem Jahr, als Barak mit Arafat verhandelte und die ganze Welt an einen erfolgreichen Friedensprozess glaubte, hörten wir im palästinensischen TV genau die gegenteiligen Botschaften. Es liefen Aufrufe, möglichst viele Juden zu töten. In unserem Bericht, der zwei Wochen vor Ausbruch der neuerlichen Gewaltwelle veröffentlicht wurde, haben wir davor gewarnt, dass die Atmosphäre in den Palästinensergebieten der des Vorabends eines Krieges gleicht.
derStandard.at: Gibt es in der palästinensischen Gesellschaft keine Gruppen, die nicht von Hasspropaganda und Antisemitismus infiziert sind?
Marcus: Im Moment gibt es ganz wenige. Das war einer der Erfolge, die Arafat durch diesen Krieg erzielen konnte: den Hass auf Israel und die Juden zu schüren. Beim Kampf gegen Terroristen wurden unglücklicherweise auch Zivilisten getötet, das war es, was Arafat und seine Führungsriege wollten. Und nun ist es auch so: die meisten Palästinenser hassen Israel wegen dieses Krieges.
derStandard.at: Wird sich jetzt nach Arafats Tod grundlegendes im Umgang von Seiten der Palästinensischen Autonomiebehörde mit Israel ändern?
Marcus: Wer glaubt, dass ohne Arafat sich sofort Grundlegendes ändern wird, hat die Tiefe des Problems nicht erkannt. Es war ein Fehler, so zu tun, als wäre er das alleinige Problem. "Palestinian Media Watch" hat die israelische Regierung deswegen auch immer kritisiert. Möglicherweise sinkt kurzfristig die Anzahl der Anschläge. Aber die jahrelange Erziehung zum Hass ist nicht spurlos an den Menschen vorübergegangen. Dem palästinensischen Volk, allen voran den palästinensischen Kindern, wird niemals mitgeteilt, das Ziel des Konfliktes sei ein palästinensischer Staat im Gazastreifen und im Westjordanland. Sie werden auf einen Krieg, dessen Ziel die Vernichtung Israels ist, eingeschworen. Jedes Kind in den Autonomiegebieten ist mit diesem Bewusstsein aufgewachsen. Wenn nur ein Prozent der heutigen Kinder die Erziehung zum Judenmord in die Tat umsetzt, stehen wir vor einem Desaster.
derStandard.at: Könnten nach Arafat radikale Kräfte zu mehr Macht gelangen?
Marcus: Die Ideologie aller gesellschaftlich relevanten Gruppen ist die gleiche, was das Existenzrecht Israels betrifft. Das war immer ein Problem in der Medienberichterstattung. Arafat galt als der Gemäßigte, der "Diplomat", dem die Terroristen der Hamas gegenübergestellt wurde. In den Schulbüchern, die Arafat zu verantworten hat, existiert Israel nicht, Kinder-Shahids wurden von Arafat vor zwei Jahren im Fernsehen der Palästinensischen Autonomiebehörde als größte Botschaft an die Welt verherrlicht und Märtyrer wurden auch von der Autonomiebehörde bejubelt. Wer auch immer an die Macht kommt, es wird keine ernsthafte Veränderung in der Ideologie geben, weder Hamas noch PLO erkennen das Existenzrecht Israels an.
derStandard.at: Wer könnte diese Hass-Propaganda stoppen?
Marcus: Die EU und viele europäische Länder geben Geld an palästinensische Autoritäten. Der Großteil der palästinensischen Medien wird mit EU-Geld finanziert. Wenn Europa die Palästinenser ultimativ zwingt, die Hasspropaganda einzustellen, sehe ich eine Chance. Sonst nicht.
4.01.2003 Tagesspiegel
Mohammeds Pferd an der Klagemauer Jerusalem gibt es nicht oder:
Was palästinensische und israelische Schulbücher über den Nahost-Konflikt erzählen
Von Richard Chaim Schneider
Diesmal ist es Tony Blair, der wieder einen Versuch starten möchte, den Nahen Osten zu befrieden. Gerade zu Gesprächen in Jordanien, will er noch im Januar in London eine Konferenz für Palästina abhalten und dabei als Pate für den immer wieder geforderten Demokratisierungsprozess der Palästinensischen Autonomiebehörde zur Seite stehen. Hilfreich wäre allerdings, wenn ein Referent der EU ihm und anderen europäischen Politikern einmal ein Dossier zusammenstellen würde, in dem die von verschiedenen wissenschaftlichen Instituten (etwa dem MEMRI - The Middle East Media Research Institute in Washington oder dem CMIP - Center for Monitoring the Impact of Peace in Washington und Jerusalem) veröffentlichten Analysen enthalten wären: Die Politiker könnten dann weniger naiv überlegen, wie die erwünschte Demokratiesierung in den Palästinensischen Autonomie-Gebieten tatsächlich in Gang zu bringen wäre.
Demokratie, das sollte gerade die Bundesrepublik aus ihren Anfängen wissen, ist kein abstraktes politisches System, das man ohne weiteres übernehmen kann. Demokratie beruht auf einem Wertekanon, den man kennen und zu dem man auch erzogen werden muss. Daher ist ein Blick in die palästinensischen Schulbücher womöglich lehrreicher als jede internationale Überwachung palästinensischer Wahlen, die von Arafat gerade wieder auf unbestimmt verschoben wurden.
Lernen und leben in Widersprüchen
Von demokratischen Werten jedenfalls ist in den Schulbüchern palästinensischer Kinder nichts zu finden: Frieden, Toleranz und Ko-Existenz, die Entdämonisierung des Feindes, die Anerkennung historischer Fakten, Kritik oder Selbstkritik - alles Fehlanzeige. So gibt es bis heute keine einzige Landkarte, die den palästinensischen Kindern den Staat Israel zeigt, nicht einmal in den Grenzen von 1967. Stets ist ganz Palästina zu sehen. Aufgeführt werden ausschließlich arabische Städte, jüdische Metropolen aber wie Tel Aviv (bereits 1909 gegründet) oder Netanya sind nirgends verzeichnet.
In entsprechender Konsequenz werden der jüdische Staat und seine jüdischen Bewohner verleugnet oder zumindest beiseite geschoben. Der Name "Israel" taucht kaum auf - und wenn, dann nie als Begriff für das Land. Stets ist nur von Palästina die Rede, gemeint ist immer das gesamte Territorium. Für "Israel" müssen ansonsten andere Metaphern verwendet werden: "Das 1948er Land" oder "Das Land innerhalb der Grünen Linie" (als Grüne Linie werden die Grenzen von 1967 bezeichnet).
Etwas anders sehen die israelischen Schulbücher aus. Allerdings muss man zweierlei Schulsysteme unterscheiden. Es gibt in Israel die Schulen der ultra-orthodoxen Parteien, die der Staat nur "indirekt" finanziert: Da die ultra-orthodoxen Parteien regelmäßig als Koalitionspartner gebraucht werden, lassen diese sich ihre Loyalität jeweils mit der Zusage erkaufen, ihre Schulen mit kräftigen Finanzspritzen aus dem Staatshaushalt zu unterstützen. Die Schulbücher dieser Gruppen, die etwa 15 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen, zeigen das komplementäre Bild zu den palästinensischen Unterrichtswerken: Landkarten präsentieren hier ein Israel, das sich vom Mittelmeer bis zum Jordan erstreckt. Nur "Israel" taucht als Name des Landes auf. "Palästina" oder "Palästinensische Autonomiegebiete" sind nicht zu finden, ebensowenig die Namen der Anrainerstaaten. Die Sprache in den ultra-orthodoxen Schulbüchern ist stets von Überlegenheit geprägt, und nicht selten findet man negative Äußerungen über Araber.
Ein gänzlich anderes Bild liefern die Schulbücher der staatlichen Schulen, die 85 Prozent der Israelis besuchen. Nirgends ist der Aufruf zur Gewalt gegen Araber zu finden. Frieden wird nicht als Utopie dargestellt, sondern als politisch erreichbares Ziel. Zwar wird, bis auf wenige Ausnahmen, die Schuld am Konflikt den Arabern zugesprochen, doch Kritik an der eigenen Geschichte, die vor allem durch die Thesen der so genannten Neuen Historiker publik wurde, hat in einigen Geschichtsbüchern ihren Niederschlag gefunden.
Der Kampf der Palästinenser wird als nationale Befreiungsbewegung dargestellt. Ihre Ideen, Beweggründe und Ziele sind korrekt beschrieben, auch wenn man diese natürlich ablehnt. Nirgends wird die historische Verbindung der Palästinenser zum Land Palästina/Israel geleugnet. Historische Fakten sind objektiv wiedergegeben, auf die heiligen Stätten des Islams wird hingewiesen, der Islam selbst als Religion vorgestellt. In den neueren Schulbüchern finden sich Landkarten, die die Gebiete der Palästinensischen Autonomie besonders hervorheben, daneben sind die besetzten Gebiete speziell markiert.
In zahlreichen Büchern zur Sozial- und Staatskunde wird auch die Frage des Nationalcharakters Israels behandelt. Die beiden Optionen - Israel als rein jüdischer Staat oder als Staat aller seiner Bürger (ungeachtet ihrer Religion und Herkunft) - werden im Hinblick darauf, ob ein rein jüdischer Staat auch ein demokratischer Staat sei, komplex und vielschichtig behandelt. In diesem Zusammenhang finden sich auch intensive Auseinandersetzungen mit der Frage nach der nationalen und kulturellen Identität der rund 800 000 Araber, die israelische Staatsbürger sind. Mit anderen Worten: Die offiziellen israelischen Schulbücher spiegeln im Großen und Ganzen die demokratischen Grundwerte einer freien Gesellschaft wider, die weder zum Krieg noch zum Rassenhass aufruft. Wobei natürlich die eigene politische Position als die richtige interpretiert wird.
Zurück zu den palästinensischen Schulbüchern: Frieden mit Israel - dieser Gedanke fehlt gänzlich. Das Oslo-Abkommen, inzwischen zwar Makulatur geworden, aber immerhin ein erster ernsthafter Versuch zur Konfliktlösung, wurd in allen derzeit existierenden Schulbüchern nur drei Mal erwähnt, davon einmal sogar in einem militärischen Kontext. In der entprechenden Passage wird von der Gründung der "Palästinensischen Befreiungsarmee" im Exil erzählt. Dann heißt es weiter: "Nach der Unterzeichnung des Oslo-Abkommens zwischen der PLO und Israel im September 1993 ist der Großteil der Befreiungsarmee nach Palästina gelangt" (Nationale Erziehung, sechste Klasse).
Die EU finanziert Propaganda
Nirgendwo wird darauf hingewiesen, dass Juden eine historische und religiöse Verbindung zu Israel/Palästina haben. Jüdische Heiligtümer werden als ausschließlich islamische dargestellt oder neuerdings als heilige islamische Stätten reklamiert. Zwei Beispiele: Die Höhle Machpela, also das Grab des Patriarchen Abraham und seiner Familie in Hebron, ist sowohl dem Judentum wie dem Islam heilig. Das liest sich im Schulbuch für die siebte Klasse so: "Der Versuch, einige der heiligen muslimischen Stätten zu judaisieren, wie etwa die Moschee des Abraham (gemeint ist die Grabstätte in Hebron)..." Ebenso gilt das von Arabern Jahrhunderte lang anerkannte Grab der jüdischen Stammmutter Rachel bei Bethlehem inzwischen als "die Moschee des Bilal Bin Rabbah", eines Weggefährten des Propheten Mohammed.
Allgemein bekannt ist, dass Jerusalem im Koran kein einziges Mal erwähnt ist, in der Thoraund im alten Testament jedoch mehrere hundert Mal: als Hauptstadt Israels, als Stadt König Davids, vor allem aber als das Zentrum jüdischen Glaubens, als die Stadt des jüdischen Tempels. Diese Verbindung des Judentums zu Jerusalem wird schlicht geleugnet: "Jerusalem... ist im Blickfeld des Weltinteresses wegen seiner muslimischen und christlichen heiligen Stätten" (Geografie Palästinas, 7.Klasse). Oder: "Jerusalem (Urushalim): Eine palästinensische Stadt, die von den arabischen Canaaniten (den Jebusitern) gebaut wurde und von ihnen Jebus genannt wurde... Der aktuelle Name heute ist al-Quds" (Christliche Erziehung, 2.Klasse).
Die Existenz des jüdischen Tempels wird zwar nicht geleugnet, doch sein jüdischer Charakter völlig ausgeklammert: "Der Tempel (al-Haykal): Das Wort bedeutet ,das Große Haus', ein Ort, wo man Gott gedient hat, so wie die Kirche heute" (Christliche Erziehung, 2.Klasse). Ähnlich wird die Klagemauer, die Westmauer des jüdischen Tempels, zu einer "arabischen Mauer" uminterpretiert. Dort habe Mohammed bei seinem Ritt in den Himmel sein himmlisches Tier, al-Buraq, angebunden. Die Stätte wird daher in den Schulbüchern al-Buraq-Mauer genannt.
So etwas wie eine historische Mitverantwortung für den israelisch-arabischen Konflikt wird nicht thematisiert. Nur von der israelischen Schuld ist die Rede. Juden werden grundsätzlich als Aggressoren, als Besatzer, als Mörder dargestellt. Dass das palästinensische Flüchtlingsproblem unter anderem auch entstanden ist, weil die arabische und palästinensische Führung den UNO-Teilungsplan Palästinas von 1947 abgelehnt hatte, bleibt ebenso unerwähnt wie der Angriff der arabischen Staaten auf den eben gegründeten jüdischen Staat 1948.
So ist es kein Wunder, dass immer wieder der Dschihad, der heiligen Krieges und das Märtyrertum (dazu zählen die Selbstmordattentate von heute) glorifiziert werden. Zwei Beispiele: "Dschihad kommt unmittelbar nach dem Gebet", heißt es im Lehrbuch "Unsere Wunderbare Sprache" für die 6.Klasse. Und weiter: "Liebe Schüler, wir erwarten von euch nach dem Studium dieser Lehreinheit, dass ihr folgende Ziele begreift: (...) die Verherrlichung des Konzeptes von Märtyrertum und der Märtyrer." Beispiele wie diese lassen sich beliebig fortsetzen.
Bemerkenswert bleibt daran vor allem, dass ein Großteil der palästinensischen Unterrichtswerke mit Hilfe von EU-Geldern hergestellt wurden. Der deutsche Anteil daran beläuft sich auf etwa die Hälfte. Schon vor längerer Zeit wurde das Auswärtige Amt auf die anti-israelische und anti-demokratische Tendenz dieser Schulbücher hingewiesen. Außenminister Joschka Fischer, der als ehrlicher Makler in Nahost von beiden Seiten respektiert wird, hat eine Untersuchung angekündigt. Ein Ergebnis dieser Untersuchung liegt jedoch bis heute nicht vor.





















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