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Tod einer 7-köpfigen Familie am Strand von Gaza am 09.06.2007
Blindgänger Ursache des Dramas von Gaza? (23.06.2006)
Human Rights Watch und ein General über den Tod einer Familie
http://www.nzz.ch/2006/06/21/al/articleE8ANR.html
Vertreter von Human Rights Watch und ein General Israels haben über den Tod der 7-köpfigen Familie am Strand von Gaza gesprochen. Ursache scheint eine Blindgängerexplosion gewesen zu sein.
gsz. Jerusalem, 20. Juni
Der Zwischenfall am Strand von Gaza, bei dem vor zwei Wochen sieben Familienmitglieder bei einer Explosion getötet wurden, bewegt in Israel immer noch die Gemüter. Am Montag kam eine Delegation der Organisation Human Rights Watch (HRW) zu einer Unterredung mit dem israelischen General zusammen, der die Untersuchung des Vorfalles geleitet hatte. Beide Seiten kamen zum Schluss, dass ein früherer Blindgänger wahrscheinlich die Ursache der Explosion gewesen sei.
Kein unabhängiges Urteil
Die «Jerusalem Post» berichtete am Dienstag über das Treffen, das in sachlicher Atmosphäre stattgefunden habe. Laut dem Bericht schloss der Waffenexperte von HRW, der ehemalige Mitarbeiter des Pentagons Marc Garlasco, die israelische Version der Ereignisse nicht aus. Diese besagte, dass die palästinensische Familie nicht von israelischem Artilleriefeuer getroffen worden sei. Dass die Explosion von einer Landmine hergerührt haben könnte, die von Palästinensern am Strand vergraben worden sei, wurde nicht einmal von der israelischen Seite erwähnt. Wahrscheinlichstes Szenario sei, dass eine scharfe 155-Millimeter-Granate von einem früheren Artilleriebeschuss am Strand liegen geblieben sei und just zu dem Zeitpunkt explodierte, als die Familie dort picknickte. Seitdem Freischärler die Beschiessung Israels mit Raketen begannen, belegte die israelische Artillerie das Gebiet der Abschussrampen - auch die Gegend in der Nähe des Strandes - mit insgesamt etwa 7000 Granaten. Laut der Zeitung bescheinigte Garlasco der israelischen Armee jedoch, dass sie grosse Anstrengungen unternehme, zivile Opfer unter den Palästinensern zu vermeiden.
Eine Sprecherin von HRW bestätigte zwar, dass die Organisation von der Gründlichkeit der militärischen Untersuchung beeindruckt gewesen sei, widersprach aber der etwas beschönigenden Darstellung in der Zeitung. Die Menschenrechtsorganisation ist weiterhin skeptisch, vor allem, weil die Israeli nur die ihnen zur Verfügung stehenden Daten und Indizien prüfen liessen. Bloss eine unabhängige Kommission könne in unvoreingenommener Weise die Beweisstücke und Zeugenaussagen beider Seiten auswerten. Die Sprecherin schloss nicht aus, dass die Palästinenser mit ihren Beweisstücken hantiert und sie unterdessen verfälscht haben könnten. Die HRW zur Verfügung stehenden Angaben beruhten zwar auf zahlreichen Zeugenaussagen, doch sei deren Glaubwürdigkeit nicht garantiert.
Kinder bei israelischem Angriff getötet
Gaza, 20. Juni. (ap) Bei einem israelischen Raketenangriff auf ein Auto im Gazastreifen sind nach Spitalangaben zwei Kinder und eine Jugendliche getötet worden. Acht Personen seien verletzt worden, darunter fünf Kinder.
Picknick in der Todeszone: Weiter Fragen zu dem Tod der Familie am Strand (23.06.2006)
In hagalil berichtet Ulrich W. Sahm von neuen Verdachtsmomenten, dass die Familie Rhalia ein Opfer der Hamas oder einer anderen terroristischen Gruppe geworden ist.
Interessant ist, dass Barbara Doherty von Human Rights Watch (HRW) im Gespräch mit Sahm von einer "Weiterentwicklung der palästinensische Version" berichtet, womit angedeutet wird, dass von pal. Seite ständig neue Varianten des angeblichen tatsächlichen Geschehens ins Gespräch gebracht werden. Z.B. wurden Filmaufnahmen der Marine gezeigt, um zu "beweisen", dass die Familie vom Meer aus beschossen wurde. Dann kam heraus, dass diese Aufnahmen schon viele Stunden vor dem Tod der Familie am Strand freigegeben wurden, darauf war es dann eine Flugzeugrakete und als aktuelle version eine israelische 155 mm Artilleriegranate.
U.Sahm berichtet weiter:
*"General Meir Klifi hat eine israelische Untersuchung geleitet und bei einer Pressekonferenz am Mittwoch einen zweiten Splitter vorgeführt, den Ärzte des Ichilov-Hospitals aus einem der vier Verletzten herausoperiert haben. "Einwandfrei und über jeden Zweifel erhaben stammen die Splitter nicht von israelischer Artilleriemunition", behauptete der General. Der Präsident der Autonomiebehörde, Mahmoud Abbas, reagierte umgehend: "Ich glaube keiner israelischen Erkenntnis. Nur eine internationale Untersuchung kann mich überzeugen." Auch HRW besteht auf einer internationalen Ermittlung, zumal die Israelis palästinensische "Erkenntnisse" nicht berücksichtigt hätten.*
*Am Mittwoch Morgen teilte das Ichilov-Krankenhaus mit, dass die Schwerverletzten "viele lebensgefährdende Wunden aufwiesen, die nicht von Splittern stammen". Es handelte sich um "Wunden infolge chirurgischer Eingriffe", offenbar um Splitter zu entfernen."*
Es liegt der Verdacht nahe, dass man die Splitter nicht umsonst so hastig aus den Körpern entfernt hat. Wollte man Spuren der eigenen Schuld vertuschen?
Laut Sahm ist auch nach wie vor der zeitliche Ablauf der Ereignisse umstritten.... http://www.hagalil.com/archiv/2006/06/rhalia.htm
22.06.2006, 13:42 Uhr Explosion am Strand: Splitter nicht von israelischer Granate
BEIT LAHIJA (inn) - Nach der Explosion am Strand des Gazastreifens mit sieben Toten deutet ein weiteres Indiz auf Israels Unschuld hin. Laboranalysen ergaben, dass die detonierte Granate nicht aus den Beständen der israelischen Armee stammte.
"Ich kann eindeutig feststellen: das Schrapnell, das dem Kind entnommen wurde, das bei dem Gaza-Strand-Vorfall verletzt wurde, ist keine 155-Millimeter-Granate", sagte Generalmajor Meir Kalifi vor Journalisten. Er leitet den Untersuchungsausschuss, den die Armee wegen des Vorfalls eingerichtet hat. Der zwölfjährige Adham war nach der Explosion in ein israelisches Krankenhaus eingeliefert worden. Dort nahm die Armee einen Splitter von seinem Körper zur Laboruntersuchung mit.
Die Analyse habe ergeben, dass die Granate nicht zu dem Typ gehörte, den die israelische Armee verwende, so Kalifi laut der Zeitung "Jediot Aharonot". "Wir können noch nicht sagen, was die Quelle des Schrapnells ist. Wir haben mehrere verschiedene Einschätzungen. Es besteht die Möglichkeit, dass es ein Blindgänger ist, oder ein Sprengsatz, der von Palästinensern gelegt wurde. Alles wird untersucht."
Kalifi fügte hinzu, dass er sich mit dem amerikanischen Experten Mark Galasco getroffen habe. Dieser hatte die Umstände der Explosion ebenfalls untersucht und war zu dem Schluss gekommen, dass eine israelische Granate dafür verantwortlich sei. "Nach dem Gespräch mit ihm wurde klar, dass er keine authentischen Befunde hat", teilte der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses mit.
Oberstleutnant Eren Toval führte aus: "Wir haben eine Untersuchung des Metalls ausgeführt und den Sprengstoff gefunden, der sich darauf befand. Insgesamt haben wir drei unabhängige Analysen durchgeführt. Das Ergebnis: Der Sprengstoff war handelsüblich, aber nicht typisch für israelische oder amerikanische Sprengstoffe im Dienst der israelischen Verteidigungskräfte. Und es ist keine israelische 155-Millimeter-Granate."
Bei der Explosion vor zwei Wochen waren sieben Mitglieder einer palästinensischen Familie ums Leben gekommen. Weitere Angehörige wurden verletzt. Der Vorfall ereignete sich nahe der Stadt Beit Lahija im nördlichen Gazastreifen. (eh)
Kinderschicksale - für Propaganda mißbraucht (Nahostkonflikt: Wie kam die Familie der kleinen Palästinenserin Huda zu Tode?) 17.06.2006
Von Johannes Gerloff
Gaza -
Die Bilder wird so schnell keiner vergessen: Die zehnjährige Huda Ghalia irrt am Strand von Gaza durch die Dünen und sucht panisch schreiend nach ihren Eltern - bis sie unter den im Sand liegenden Leichen ihren toten Vater entdeckt. Ein Augenblick nur und sie hat ihre Familie verloren, ihren Vater und fünf Geschwister. Eine Tragödie.
Dabei sollte es ein fröhlicher Tag werden. Die palästinensische Familie Ghalia wollte einen Tag lang Sonne, Strand und frische Luft genießen, fern von dem überbevölkerten Flüchtlingslager, in dem sie wohnt. Gegen 17 Uhr explodiert der Sprengsatz.
Augenzeugen widersprechen einander. Die einen reden von israelischen Kampfjets, die anderen wollen ein israelisches Geschütz auf einem Schiff vor der Küste gesehen haben. Die angesehene palästinensische Nachrichteangentur "Maan" stellt fest, daß jeder offizielle Vertreter auf palästinensischer Seite eine andere Geschichte parat hat, über das, was am Strand von Gaza geschehen ist.
Der Bericht des palästinensischen Fernsehens dagegen zeigt gleich, wer angeblich für das Massaker verantwortlich ist. Zu Anfang der Reportage wird ein feuerndes Schnellboot der israelischen Kriegsmarine gezeigt. Dann sieht man israelische Marinesoldaten, die einen Granatbeschuß per Feldstecher verfolgen. Arabische TV-Sender haben Archivbilder in den Film geschnitten, den nun sogar der US-Sender CNN nur noch in Ausschnitten zeigt.
Die Reaktionen auf palästinensischer Seite lassen nicht auf sich warten und sind mit Schuldzuweisungen nicht zurückhaltend. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas spricht von Völkermord und ordnet eine dreitägige Staatstrauer an. Die Hamas kündigt eine 16monatige Waffenruhe, prophezeit ein Erdbeben in den zionistischen Städten, und fordert die israelischen "Aggressoren" auf, ihre Särge vorzubereiten.
Israel kündigt unmittelbar nach Bekanntwerden des tragischen Geschehens eine Untersuchung an. Militärs schließen aber sofort aus, daß der Beschuß der Marine den Vorfall verursacht haben könnte. Israel bietet darüber hinaus unbürokratisch medizinische Hilfe für die Verletzten des Vorfalls an, einschließlich eines Krankenhausaufenthaltes in Israel. Die palästinensische Seite verweigert jede Kooperation, während Angehörige der Hamas am Explosionsort Überreste des Sprengsatzes und damit mögliche Beweise beseitigen.
Nach ersten Untersuchungen stellen sich Israels Verteidigungsminister Amir Peretz, Generalstabschef Dan Halutz und Generalmajor Meir Kalifi der Presse. Zweifelsfrei, so beteuert die Führung der israelischen Armee, habe die Untersuchungskommission festgestellt, daß die Mitglieder der Familie Ghalia nicht durch israelische Granaten zu Schaden gekommen sein können. Halutz sagt: "Wir haben jedes Geschoß, das vom Wasser, aus der Luft und vom Land aus abgefeuert wurde, überprüft." Und Kalifi kommt zu dem Schluß: Die Wahrscheinlichkeit, daß ein israelisches Geschoß den Tod verursacht haben könne. "ist absolut Null".
Zu den wichtigsten Befunden gehören Metallsplitter, die aus den Körpern der Verletzten im Ichilov-Krankenhaus in Tel Aviv entfernt wurden und anschließend am Technion in Haifa untersucht wurden. Sie können nach Einschätzung israelischer Experten nicht von einem der 155-Milimeter-Geschosse stammen, die von der israelischen Armee eingesetzt worden waren. Auch könne die Familie nicht von einem Schiff aus beschossen worden sein, da dieser Beschuß früher am Tag und in räumlicher Entfernung stattgefunden habe, hieß es weiter
Beweise jedoch blieb die israelische Seite schuldig. Generalmajor Kalifi gesteht dann auch ein, daß es keine Möglichkeit gibt, mit Sicherheit festzustellen, was die Explosion tatsächlich verursacht hat. Es könnte eine vergessene Bombe gewesen sein, aber auch eine Landmine palästinensischen Ursprungs.
Auch die Fernsehbilder werfen Fragen auf. Warum hat der palästinensische Kameramann die Verzweiflung der zehnjährigen Huda so ausführlich gefilmt, statt dem Mädchen sofort zu helfen? Wie kam es, daß der Kameramann Minuten nach dem Vorfall mitsamt seiner Kamera und weiterer Ausrüstung vor Ort war? Und: Warum ist auf den TV-Bildern ein Mann zu sehen, der aufsteht und nach seinem Gewehr greift, obwohl er eben noch reglos und zugedeckt neben Hudas totem Vater lag?
Der Kameramann schweigt. Doch spätestens seit die Bilder vom Tod des Muhammad a-Dura, der im Oktober 2000 vor laufender Fernsehkamera erschossen wurde, um die Welt gingen, ist klar, daß die palästinensische Seite die Kinderschicksale dieses Zermürbungskrieges für Propagandazwecke ausschlachtet. Auch im Falle von Muhammad a-Dura konnte die israelische Seite nur feststellen, daß ihre Soldaten die Todesschüsse nicht abgefeuert haben konnten. Auch damals hatten die Palästinenser jede Zusammenarbeit bei den Ermittlungsarbeiten verweigert und die Spuren, die den Verantwortlichen für den Tod des Jungen hätten überführen können, verwischt.
Zwar hat auch Israel sich darin versucht, Kinderschicksale propagandistisch auszunutzen. Doch die israelische Öffentlichkeit reagierte empört, als die israelische Regierung etwa Bilder der zehn Monate alten Schalhevet Pas veröffentlichte, die im März 2001 in Hebron von einem palästinensischen Scharfschützen im Arm ihres Vaters erschossen worden war. Auch als Siedler und ihre Sympathisanten im Rahmen der Räumung des Gaza-Streifens versuchten, ihre Kinder als Opfer zu präsentieren, forderte die israelische Öffentlichkeit, diese Art Kindesmißbrauch zu verbieten.
erschienen am 17. Juni 2006
Kofi Annan entschuldigt sich für Zweifel an Untersuchung der IDF (16.06.2006)
UN-Generalsekretär Kofi Annan hat sich gestern dafür entschuldigt, dass er die Untersuchung des Vorfalls am Strand von Gaza durch die israelische Armee angezweifelt hatte. Seine Äußerung sei eine „Reaktion auf Pressespekulationen“ gewesen, so Annan. Annan sagte am Mittwoch, es sei „merkwürdig zu behaupten, dass sich am Strand von Gaza eine Mine befunden haben soll“.
In einer Pressekonferenz sagte der UN-Generalsekretär gestern: „Man muss abwarten, bis Israel den endgültigen Bericht veröffentlicht.“ Außerdem berichtete er, dass er mit Ministerpräsident Ehud Olmert und mit dem Präsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörde Mahmoud Abbas gesprochen habe.
Außenministerin Tzipi Livni beauftragte den israelischen UN-Botschafter Dan Gillerman, sich mit Annan zu treffen. In einem Gespräch zwischen den beiden drückte Gillerman am Mittwoch seine Verwunderung über die Äußerungen Annans aus: „Israel ist Qassam-Angriffen ausgesetzt und muss seine Bürger schützen“, so der Botschafter. Er fügte hinzu, dass Israel dazu verpflicht sei, die Angelegenheit zu untersuchen. (Haaretz, 16.6.)
Der Krieg der Bilder: Ein Beispiel, wie Palästinenser manchmal die Wahrheit verbiegen (16.06.2006, SZ)
(http://www.sueddeutsche.de/ausland/artikel/315/78237/)
*Sieben Tote am Strand von Gaza: War es ein Granatenangriff Israels? Oder eine explodierende palästinensische Landmine? Ein Beispiel, wie Palästinenser manchmal die Wahrheit verbiegen.*
Von Thorsten Schmitz
Am vergangenen Freitag stand die zehn Jahre alte Huda Ghalija schon früh auf, obwohl sie gar nicht in die Schule musste. Sie war aufgeregt. Die letzten Examen waren geschrieben, und die großen Sommerferien hatten gerade begonnen. Hudas Vater Ali hatte seinen Kindern versprochen, an jenem Freitag voriger Woche am Strand im Norden des Gaza-Streifens ein Picknick zu veranstalten.
Huda ist nach den Worten eines Cousins eine der Klassenbesten, sie liebe Mathe, Biologie und Lesen. Ihr Lieblingsgedicht stammt aus der Feder Mahmud Darwischs, „Identitätskarte“ heißt es, ein trauriges Poem über einen heimatlosen Palästinenser und dessen Hass auf den Besatzer.
Beladen mit Plastiktischen und -stühlen, mit gekochten Maiskolben und Pitabroten machte sich die große Familie aus der 35.000-Einwohner-Stadt Beit Lahija auf den kurzen Weg zum Strand. Beit Lahija ist für seine Erdbeeren bekannt, aber auch dafür, dass von hier aus Kurzstreckenraketen auf Israel abgefeuert werden.
Für den Vater, eine seiner zwei Ehefrauen und fünf seiner Söhne und Töchter sollte das Picknick tödlich enden. Gegen 17 Uhr explodierte eine Granate inmitten der Familie. Sieben Menschen verloren an diesem Freitagnachmittag noch im Sand oder im Krankenwagen ihr Leben.
Das blutige Picknick machte Huda Ghalija innerhalb weniger Stunden weltweit bekannt. Das hat sie dem Kameramann Zakarija Abu Harbed zu verdanken. Nur wenige Augenblicke nach der Explosion der Schrapnell, einer mit Metallkugeln gefüllten Granate, befand sich der 36 Jahre alte Kameramann aus Gaza-Stadt samt Kamera und vollen Akkus am Ort des Unglücks.
*Ein lukrativer Job*
Harbed arbeitet für die arabische TV-Produktionsfirma Ramattan News Agency. Die Agentur verfügt über Büros in Ramallah im Westjordanland und in Gaza-Stadt, der Hauptstadt des Gaza-Streifens.
Die großen TV-Sender aus aller Welt, CNN und ABC, Nachrichtenagenturen wie Reuters und Associated Press, auch deutsche TV-Anstalten arbeiten fast ausschließlich mit palästinensischen Kameramännern, wenn es um Berichte aus dem Gaza-Streifen geht.
Die Bilder von der hoffnungslosen Welt im Gaza-Streifen werden in erster Linie von Palästinensern gemacht. Als Kameramann für westliche Medien zu arbeiten gilt als einer der lukrativsten Jobs in den Palästinensergebieten. Manche verdienen bis zu 250 US-Dollar am Tag. Soviel verdienen manche palästinensische Großfamilien nicht einmal in einem halben Jahr.
Kameramann Harbed hatte am vergangenen Freitag Berufsglück: Er war als Erster am Ort des Unglücks. Seine Agentur Ramattan News Agency verkaufte die herzzerreißenden Bilder der hysterisch und in Tränen aufgelösten Huda Ghalija an Fernsehsender in der ganzen Welt. In Australien wie in Indien, in Europa wie in den USA wurden Harbeds Aufnahmen von Huda gezeigt: Wie sie sich die Haare rauft und auf die Brust schlägt, wie sie neben ihrem toten Vater in den Sand versinkt, wie sie ganz alleine Dutzende Meter durch den Sand rennt.
In der arabischen Welt und in den Palästinensergebieten stand die Ursache der Tötung der Ghalija-Familienmitglieder schon am Freitag fest: Granaten Israels. Zu dieser Behauptung beigetragen haben auch Archivbilder israelischer Soldaten, die Artilleriegeschosse abfeuern, die manche arabische Fernsehsender in den Film von Kameramann Harbed hineingeschnitten haben.
Nach Ansicht der von der Hamas geführten Autonomiebehörde, aber auch nach Auffassung von Fatah-Chef und Präsident Machmud Abbas sind die Ghalijas durch israelischen Beschuss getötet worden. Sie benutzten beide das Wort von einem „Massaker“. In seltener Einigkeit erklärten Hamas-Regierungschef Ismail Hanija und Abbas noch am Samstag, sie würden Huda symbolisch adoptieren und für den Rest ihres Lebens für ihren Lebensunterhalt aufkommen.
Ein palästinensisches Kind, das seinen Vater verloren hat, gilt als Waise. (Hudas leibliche Mutter Hamdia überlebte die Detonation verletzt.) Auch die Recherchen eines Teams der US-Menschenrechtsgruppe Human Rights Watch führten zu dem vorläufigen Ergebnis, dass Israel für die Granatenexplosion verantwortlich sei.
Die Gruppe formuliert allerdings vorsichtig und weniger apodiktisch: Nach Interviews mit Opfern, Augenzeugen, Polizisten und Ärzten und einem Besuch des Unglücksorts hege man „starke Vermutungen“, dass israelische Artillerie für das Unglück haftbar sei. Der Bericht der Menschenrechtsgruppe erwähnt allerdings nicht, dass deren Rechercheure erst einen Tag nach dem Unglück am Strand nach Beweisen gefahndet haben - genug Zeit also, um wichtige Beweisstücke zu entfernen.
Das israelische Verteidigungsministerium hat nach ersten Auswertungen von Radar- und Satellitenbildern erklärt, das Geschoss, das zum Tod der sieben Palästinenser geführt hat, stamme nicht von der Armee. Generalstabschef Dan Halutz sagt, Israel bedauere den Tod der sieben Palästinenser, dies bedeute aber nicht „dass wir dafür verantwortlich sind“.
Nach Ermittlungen der israelischen Armee, die sich nur auf Bilder und Arztbefunde, nicht aber auf Recherchen vor Ort beziehen, hat die israelische Armee an jenem Freitagnachmittag sechs Granaten in Richtung Gaza-Strand abgefeuert. Nach Angaben von Halutz schlugen fünf der sechs Granaten in der Zeit zwischen 16.31 und 16.48 Uhr ein - rund 250 Meter nördlich jener Stelle, an der das Familienpicknick stattgefunden hatte. Mit dem Artilleriebeschuss sollten palästinensische Raketenwerfer abgehalten werden.
Ein unbemanntes Flugzeug der israelischen Armee hat den Gaza-Streifen zum Zeitpunkt des Beschusses aus der Luft gefilmt. Auf den Filmen sieht man einerseits fünf Einschlaglöcher der Granaten im Strand, aber auch 250 Meter südlich davon Menschen. Nach Angaben der Armee muss die Explosion an dem Strandabschnitt, an dem die Ghalijas picknickten, zwischen 16.57 und 17.10 stattgefunden haben. Vor 16.57 ist auf dem Film der Armee normales Strandtreiben zu sehen.
Dass die Menschen auf die fünf Granateinschläge in 250 Metern Entfernung nicht mit überstürzter Flucht reagiert haben, ist seltsam. Die nächste Aufnahme auf dem Armeefilm zeigt Krankenwagen, wie sie am Strand ankommen. Das ist um 17.15 Uhr. Das Krankenhaus, wo die Krankenwagen herkamen, liegt fünf Minuten vom Explosionsort entfernt.
Möglicher Blindgänger
Über den Einschlagsort der sechsten Granate, die nach Aussagen der Menschenrechtsgruppe und der Palästinenserregierung als Blindgänger den Tod der sieben Familienmitglieder herbeigeführt habe, kann die israelische Armee keine Angaben machen. Sie hält es aber für „ausgeschlossen“, dass die Granate ganze 250 Meter von ihrem Ziel abgewichen sein soll.
Als weiteren Beweis führt Israel an, dass es vier Verletzte vom Strand in Krankenhäusern in Tel Aviv behandelt. Aus dem Körper eines der Verwundeten seien Splitter geborgen worden, die nicht von Waffen aus dem Arsenal der israelischen Armee stammen könnten.
Die israelische Armee schließt nicht aus, dass es sich bei der Detonation auch um eine Mine gehalten haben könnte, die von Palästinensern dort vergraben worden sei, um israelische Marinesoldaten daran zu hindern, im Gaza-Streifen an Land zu gehen.
Angesichts der sich widersprechenden Aussagen kommt Harbeds Fernsehbildern große Bedeutung zu. Diese allerdings werfen mehr Fragen auf, als dass sie zur Klärung beitragen. Die Originalaufnahmen sind inzwischen so fragwürdig, dass CNN sie auf seiner Website nur noch sehr verkürzt zeigt.
Der SZ erklärte Harbed, er sei von den Rettungssanitätern über die Explosion unterrichtet worden und im eigenen Wagen den Krankenwagen hinterhergefahren. Auf seinen Bildern allerdings filmt Harbed die Hysterie der zehnjährigen Huda, als sei er Zeuge der Detonation gewesen. Auch filmt er die Ankunft der Sanitäter, er muss also schon vorher am Strand gewesen sein. Zudem sind manche der Toten und Verletzten mit Tüchern abgedeckt - wer hat das getan?
Harbed erklärt, Huda sei kaum verletzt worden, da sie im Meer gebadet habe. Auf seinen Bildern allerdings läuft Huda in trockener Straßenkleidung herum. Minutenlang rennt Harbed der schreienden Huda hinterher und schwenkt mit seiner Kamera zu den Toten und Verletzten.
Plötzlich ist ein Mann neben Hudas totem Vater zu erkennen, der eben noch zugedeckt reglos dalag und nun aufsteht, in der Hand ein Maschinengewehr. Auf den Bildern des Kameramanns sind auch Sanitäter in grüner OP-Kleidung zu erkennen sowie Dutzende Männer, die meisten mit Hamas-typischen Vollbärten, die offenbar Beweisstücke sicherstellen.
Allerdings muss man fragen, weshalb die Sanitäter sich nicht um die Verletzten kümmern und keine Polizisten den Ort sichern. Haben die Hamas-Männer, wie israelische Medien palästinensische Augenzeugen zitieren, Beweisstücke entfernt?
*Ausweichende Antworten des Kameramanns*
Seltsam ist auch, weshalb auf den Bildern Harbeds kein Krater zu erkennen ist. Je mehr Kameramann Harbed von der SZ beim Telefoninterview gefragt wird, desto mehr weicht er aus. War er vor der Ambulanz am Unglücksort? Wer sind die Zivilisten, die den Strand säubern? Wer ist der bewaffnete Mann am Boden, der plötzlich aufsteht? Wenn es eine Granate der israelischen Armee war, die die Ghalija-Familienmitglieder getötet hat, weshalb präsentieren die Palästinenser dann nicht deren Splitter?
Und: Warum kam Harbed nicht auf die Idee, die hysterische Huda zu beruhigen, anstatt sie minutenlang mit seiner Kamera zu verfolgen? Harbed sagt: „Sie hat mich gebeten, sie zu filmen. Sie wollte mit ihrem Vater gesehen werden und der Welt zeigen, welche Verbrechen Israel begeht.“ Die in Trauer aufgelöste zehnjährige Huda, die eben sieben Familienmitglieder verloren hat, soll Harbed Regieanweisungen erteilt haben?
Pallywood
Dass Palästinenser im Nahost-Krieg um die Bilder fälschen oder falsche Bilder in Umlauf bringen, ist nicht neu. In den Medien spricht man seit einer aufsehenerregenden Dokumentation des US-Magazins „60 Minutes“ von „Pallywood“ - in Anlehnung an Hollywoods Filmindustrie. In der Dokumentation sind zum Beispiel Palästinenser aus der jüngsten Intifada zu erkennen, die einen Toten auf einer Trage tragen. Einer stolpert, der angebliche Tote fällt auf den Boden - und springt behend wieder zurück auf die Trage, legt sich hin und mimt einen Toten.
Jüngstes Beispiel für den Versuch von Palästinensern, die Weltöffentlichkeit an der Nase herumzuführen, ist der Angriff der israelischen Luftwaffe am vergangenen Dienstag auf drei Mitglieder des „Islamischen Heiligen Kriegs“, bei dem acht Zivilisten, unter ihnen zwei Kinder, getötet wurden. Kurz nach dem Angriff auf das Auto, in dem die Mitglieder der Terrorgruppe saßen, sieht man drei Männer, wie sie in Windeseile eine Kurzstreckenrakete aus dem Auto entfernen.
Seit zwei Tagen blinkt auf der Internetseite der TV-Produktionsfirma Ramattan News Agency der Satz „Dringend: Nachricht für unsere Kunden“. Als hätte die Firma Angst vor einer weiteren Verbreitung der Huda-Bilder, deren Authentizität von vielen Menschen angezweifelt wird, weist sie darauf hin, dass sie die alleinigen Rechte an den Bildern besitzt. Niemand habe das Recht, die Bilder ohne Einwilligung von Ramattan News Agency weiterzuverbreiten.
Brief des Pressesprechers der israelischen Botschaft an den Herausgeber der FAZ (14.06.2006)
Brief des Pressesprechers der israelischen Botschaft, Amit Gilad, an Dr. Günther Nonnenmacher, Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), Berlin, 14.6.2006:
Sehr geehrter Herr Nonnenmacher,
Jörg Bremer schreibt in seinem Kommentar am 12.06. auf Seite 1: „In den Augen der Weltöffentlichkeit wird Israels Armee den Terroristen immer ähnlicher, die ihre Kassam-Raketen wahllos auf israelische Städte richten“.
Wenn ein Israelkorrespondent nicht erwähnt, dass Zivilisten für die israelische Armee niemals das Ziel sind (obwohl sie bedauerlicherweise manchmal involviert sind), und nicht klarstellt, dass Terroristen gerade Zivilisten im Visier haben, trägt er bestimmt zu solchen Meinungen bei.
Wenn der Israelkorrespondent der FAZ die Hamas in der Regel nicht als Terrororganisation bezeichnet (während die EU und nicht nur die israelische Regierung die Hamas als solche einstuft), für die Etzel-Bewegung dagegen den Begriff „jüdische Terrororganisation“ passend findet (FAZ, 13.6.2006, S.1), trägt er dazu bei, dass „in den Augen der Weltöffentlichkeit [...] Israels Armee den Terroristen immer ähnlicher“ wird.
Amit Gilad
Pressesprecher
Untersuchung der israelischen Armee (IDF) zum Vorfall am 9.6.06 in Gaza (13.06.2006)
Untersuchung der israelischen Armee (IDF) zum Vorfall am 9. Juni 2006 am Strand von Gaza
*Hintergrund*
Die israelische Armee (IDF) ist eine erfahrene Armee, die von moralischen Grundsätzen geleitet ist. Bei jedem Einsatz der IDF werden genaue Vorkehrungen getroffen, um jeden Nachteil für Zivilisten, die an terroristischer Gewalt nicht beteiligt sind, so weit wie möglich zu verhindern.
Die IDF zielt nicht auf Unschuldige, muss aber Terroristen bekämpfen, die sich nicht an solche moralischen Richtlinien halten und die bei ihren tödlichen Angriffen auf israelische Zivilisten willentlich unter ihrer eigenen Bevölkerung Schutz suchen. Diese zeigt deutlich das heute veröffentlichte TV-Filmmaterial von Associated Press, auf dem zu sehen ist, wie Terroristen eine Langstreckenrakete des Typs Grad aus einem Kleintransporter, der von Zivilisten umgeben ist, ausladen, nachdem der Wagen bei einem israelischen Luftangriff in Gaza getroffen wurde.
Diese Terroristen benutzen die palästinensische Bevölkerung nicht nur als Schutzschild, sie manipulieren auch und nutzen das Leid aus, das sie ihrem eigenen Volk antun, um kurzfristige Vorteile in ihrem Propaganda-Krieg gegen Israel und seine Legitimität zu erzielen. Die nachweisliche Beteiligung der Hamas am Unglücksort ist ein Beispiel dafür.
Seit der Abkoppelung Israels vom Gazastreifen im August 2005 haben Terroristen über 500 Raketen auf israelische zivile Ziele geschossen, darunter Kindergärten, Schulen, Wohnhäuser und Fabriken. Es gibt in diesen israelischen Städten, die in Raketen-Reichweite liegen, keinen normalen Alltag mehr. Straßen sind verlassen, Fabriken sind geschlossen, Schulen sind verriegelt, und Kinder sind schwer traumatisiert.
*Die Untersuchung*
Unmittelbar nachdem die israelische Regierung von dem tragischen Tod der sieben palästinensischen Familienmitglieder durch eine Explosion in Gaza am Freitagnachmittag erfahren hat, drückte sie ihr Bedauern über den Verlust von unschuldigen Menschenleben aus, bot den Verletzten medizinische Hilfe an und versprach eine umfassende Untersuchung über den Vorfall sowie die Veröffentlichung der Ergebnisse binnen wenigen Tagen.
Heute (13.6.), nach Abschluss der Untersuchung, wurden wie versprochen die Untersuchungsergebnisse bekannt gegeben. Geheimdienstinformationen, operative Aufzeichnungen, Beobachtungsfilme, TV-Filmmaterial und andere Informationsquellen haben gezeigt, dass die Tragödie definitiv nicht durch ein Geschütz verursacht wurde, das die IDF an diesem Tag eingesetzt hat.
Aufgrund der großen Entfernung zwischen dem Vorfall und allen Einsätzen, die an diesem Tag bei der Luftwaffe und der Marine stattfanden, können die israelischen Luft- und Marineeinsätze das Unglück nicht verursacht haben. Da zwischen dem nächstliegenden israelischen Artillerieangriff auf Terroristen und der Unglücksstelle ein zeitlicher Abstand lag, kann auch die Artillerie die Explosion nicht ausgelöst haben.
Außerdem wurde ermittelt, dass das Metallstück, das einem der Verletzten in einem israelischen Krankenhaus entnommen wurde, nicht aus einem Geschoss der israelischen Artillerie stammt.
Bei der Untersuchung konnte jedoch nicht festgestellt werden, was die Explosion tatsächlich verursachte. Es ist anzunehmen, dass das Unglück entweder durch eine Mine verursacht wurde, die von Palästinensern gegen israelische Soldaten gelegt wurde, oder dass es sich um ein scharfes Geschoss handelte, das am Strand lag und detonierte, als sich die Familie in unmittelbarer Nähe befand.
Wie alle Regierungen trägt die israelische Regierung die Verantwortung, das Leben ihrer Staatsbürger zu schützen und ihr Gebiet und seine Einwohner vor terroristischen Gefahren zu verteidigen. Die IDF werden deshalb weiterhin Terroristen, die Städte und Staatsbürger Israels angreifen, bekämpfen und alles in ihrer Macht Stehende tun, um deren Angriffe zu verhindern.
Quelle: Presse- und Informationsabteilung, Israel Ministry of Foreign Affairs (MFA).
Kofi Annan: „Wusste nicht, wie viel auf Israel geschossen wird“ (13.06.2006)
Diplomatischer Zwischenfall zwischen Israel und UN-Generalsekretär Kofi Annan: Annan forderte am Wochenende, den Tod der palästinensischen Familie am Strand von Gaza zu untersuchen.
Diplomatische Stellen der UNO teilten mit, dass Annan am Samstagabend Ministerpräsident Ehud Olmert anrief und darum bat, dass Israel angemessen und entsprechend internationalem Recht auf den Beschuss aus Gaza reagiert. Das ärgerte Olmert: „Entspricht denn der Abschuss von Hunderten Qassam-Raketen dem internationalen Recht? Warum haben Sie mich nicht angerufen, nachdem 300 Raketen auf Israel abgefeuert wurden und haben darum gebeten, diese Sache zu untersuchen?“ Annan antwortete, dass ihm dies nicht bewusst gewesen sei. Die Worte Annans stießen in politischen Kreisen und im Sicherheitsbereich auf Verwunderung.
Das Außenministerium beschloss, dass die israelische UNO-Delegation den Generalsekretär und den Dienst habenden Präsidenten des Sicherheitsrats ab sofort täglich über den palästinensischen Beschuss mit Qassam-Raketen informiert. In den letzten drei Tagen zum Beispiel schlugen 69 Qassam-Raketen ein. (Yedioth Ahronoth, 13.6.)
Luftangriff auf einen Grad-Raketen-Transport am 13.6.06 in Gaza
Erst in den letzten Sekunden bevor die zweite Raketensalve das Fahrzeug der Terroristen des Islamischen Jihad in Gaza traf, entdeckte die Luftwaffe Zivilisten in der Nähe des Fahrzeugs.
Verteidigungsminister Amir Peretz und Generalstabschef Dan Halutz haben auf einer Pressekonferenz zu dem Vorfall am 13.6.06 Stellung genommen, bei dem 11 Personen starben, davon acht Zivilisten. „Es tut mir sehr leid, dass während eines Vorfalls, bei dem unsere Truppen gegen einen versuchten Angriff mit Grad-Raketen (Katjuscha) auf Israel vorgingen, auch unschuldige Zivilisten getroffen wurden, die nicht an dem Vorgang beteiligt waren. Zu allen Aktionen, die die israelische Armee durchführt, gehört die Notwendigkeit, keine unschuldigen Zivilisten zu treffen, was manchmal dazu führt, dass wir größere Gefahren eingehen“, so Peretz.
Aus einer ersten Untersuchung geht hervor, dass zwischen der ersten und der zweiten Raketensalve auf das Kommando des Islamischen Jihad eine Minute und drei Sekunden lagen. „Erst in den letzten Sekunden bevor die Raketensalve einschlug, wurde ein Personenaufkommen erkannt, doch es konnte nichts mehr getan werden, um den Einschlag zu verhindern“, so der hochrangige Luftwaffenoffizier.
Nach seinen Angaben leitete die Luftwaffe eine umfassende Ermittlung über die Aktion ein. Der hochrangige Offizier machte deutlich, dass keine Absicht bestehe, die Aktionen einzustellen. „Auch heute Nacht werden wir, soweit nötig, weiter agieren und die gleichen Aktionen fortführen.“
Seit langer Zeit versucht die israelische Armee jeden zu treffen, der an dem Abschuss von Grad-Langstreckenraketen beteiligt ist. Kurz nach 11 Uhr gestern Morgen hat die Luftwaffe eine operative Gelegenheit entdeckt. Drei Terroristen waren in einem Fahrzeug in den Norden des Gazastreifens unterwegs, in dem sich mindestens eine Rakete dieses Typs befand. „Sie verschwenden keine Grad-Rakete, um auf Sderot zu schießen. Dafür haben sie Qassam-Raketen. Es ist anzunehmen, dass diese Rakete auf die Stadt Ashkelon abgeschossen werden sollte“, so der Offizier.
*Hätten wir nur 20 Sekunden gehabt*
Die israelische Armee verfolgte das Fahrzeug und suchte den passenden Ort, an dem man auf es feuern könnte. „Um 11:40 Uhr war das Fahrzeug an einem Ort mit wenigen Menschen, vielleicht befand sich dort noch ein weiteres Fahrzeug“, so der Offizier, „mit der ersten Salve wurden zwei Raketen auf das Fahrzeug abgefeuert, eine schlug in seiner Nähe ein, wahrscheinlich in einer Entfernung von etwa 3 Metern. Das Fahrzeug kam vom Weg ab und wurde von einem Strommast gestoppt, es stiegen drei Leute aus. Es fiel die Entscheidung, eine weitere Salve auf das Fahrzeug abzufeuern. Wieder eine mit zwei Raketen, mit dem Ziel, die Grad-Rakete zu treffen. Die Kreuzung erschien völlig leer, außer vielleicht einem Auto in dem Gebiet, dessen Fahrer nach der Explosion verschwunden war“.
Dann änderte sich plötzlich die Situation, „erst als die Raketensalve abgefeuert war, und es noch 6 bis 7 Sekunden bis zur Explosion dauerte, entdeckten wir, dass sich Personen vor Ort befanden. Hätten wir 20 Sekunden gehabt, hätten wir die Rakete so umlenken können, dass sie an einem anderen Ort einschlägt, sie so ablenken, dass sie keinen Schaden anrichtet. In diesem Fall war dies nicht möglich. Hätten wir es versucht, hätten noch mehr Personen getroffen werden können.“
Nach dem Angriff konnte man einen Palästinenser sehen, der die Grad-Rakete nahm und mit ihr floh. „Das zeigt, wie wichtig ihnen diese Rakete ist. Sie haben nicht viele davon“, so der Offizier. „Unsere Reaktionszeit ist schneller, als die Bevölkerung, die sich dem Gebiet nähert. Dieses Mal sind Personen dorthin gekommen und getroffen worden. Man muss den gesamten Zusammenhang der Aktion sehen, den Versuch, die Kommandos und Raketen zu treffen. Das Ergebnis hier ist problematisch und wir werden das untersuchen. Es gab in der Vergangenheit nicht wenige Fälle mit verschiedenen Versuchen, bei denen wir eine zweite Salve abgefeuert haben. Das ist nichts Außergewöhnliches oder seltenes. Wir agieren mit höchster Vorsicht. So beinhaltete die Salve nicht 8 Raketen, sondern weniger, um nur den zu treffen, der getroffen werden soll und so wenig wie möglich den zu gefährden, der nicht gefährdet werden muss.“
Auch der Kommandant der Luftwaffe, General Eliezer Shakedi, erklärte das Ergebnis des Vorfalls. „Es gibt keine hundertprozentige Genauigkeit“, so Shakedi kurze Zeit vor seiner Rede auf einer Veranstaltung in Herzliya. „Dies ist ein Krieg, und wenn man es mit Krieg und Beschuss zu tun hat, hat man in den meisten Fällen Erfolg, doch es gibt auch Fälle, in denen Zivilisten getroffen werden, die nicht am Terror beteiligt sind.“ General Shakedi betonte: „Die Luftwaffe unternimmt übermenschliche Anstrengungen, die Terroristen zu treffen und „Unbeteiligte“ nicht zu verletzten, während die Auffassung auf der anderen Seite umgekehrt ist: Die Terroristen wollen Kinder in Sderot treffen.“ (Ynet, 14.6.)
Filmaufnahmen dokumentieren Grad-Raketen-Transport am 13.6.06 in Gaza
Die folgenden Filmaufnahmen zeigen, wie Terroristen am 13.6.06 eine Langstreckenrakete des Typs „Grad“ (Katjuscha) aus dem Kleintransporter, der von Zivilisten umgeben ist, ausladen, kurz nachdem der Wagen bei einem israelischen Luftangriff in Gaza getroffen wurde. Die Bilder aus der Luft wurden von einer israelischen Aufklärungs-Drohne aufgezeichnet. Die Bilder am Boden wurden von Associated Press (AP) aufgenommen und im libanesischen Fernsehen gezeigt. Die Aufnahmen finden Sie auf der Internetseite der Initiative „Honestly Concerned“ unter diesem Link:
http://www.honestly-concerned.org/Temporary/KatiushainGaza1.wmv
MP Olmert über den Tod unschuldiger Zivilisten in Gaza (12.06.2006)
Ministerpräsident Ehud Olmert hat in der wöchentlichen Kabinettssitzung am Sonntag (11.6.06) sein tiefes Bedauern über den Tod der sieben Zivilisten am Strand von Gaza ausgedrückt und die Veröffentlichung aller Untersuchungsergebnisse über die genauen Umstände des Vorfalls angekündigt:
„Seit vielen Wochen werden Qassam-Raketen aus dem Gazastreifen abgeschossen, um Israelis, die in den angrenzenden Orten leben, zu verstümmeln oder zu töten. Der Beschuss ist sehr ernst. Er beeinträchtigt die Lebensumstände in den Orten im Süden Israels und bringt das Leben der Einwohner in Gefahr. Ich habe gerade erfahren, dass ein Mitarbeiter des Sapir College heute Morgen durch einen direkten Treffer schwer verletzt wurde. Dies ist eine endlose Reihe terroristischer Angriffe auf Zivilisten.
Ich weise jeden Versuch, die Moral der israelischen Verteidigungsstreitkräfte in Frage zu stellen, zurück. Die israelische Armee ist das moralischste Militär der Welt; niemals, auch heute nicht, hat sie eine Taktik verfolgt, die auf Zivilisten abzielt. Ich unterstütze die Kommandeure der israelischen Armee und deren Soldaten, die versuchen, die Angriffe auf israelische Zivilisten im Süden des Landes abzuwehren.
Die Hamas hat auch an diesem Wochenende nichts gegen diese Angriffe unternommen. Seit einiger Zeit sehen wir, dass die Hamas in terroristische Aktivitäten verwickelt ist und diese unterstützt. Wir nehmen dies zur Kenntnis genauso wie die Erklärungen, die die Kommandeure der Hamas kürzlich abgaben, und wir wissen, wie wir damit verfahren und wann.
Ich möchte eines klarstellen: es hat nie zur israelischen Politik gehört, unschuldige Zivilisten anzugreifen. Dies ist die gegenwärtige und zukünftige Politik des Staates Israel. Gleichzeitig werden wir damit fortfahren, mit voller Kraft gegen die Qassam-Angriffe vorzugehen und werden nicht von Operationen ablassen, die Raketen-Angriffe unterbinden können, gleich wo oder in welcher Situation dies nötig sein wird.“ (Jerusalem, 22.6.)
*Ermittlung zum Unglück am Strand von Gaza wirft Fragen auf*
Drei Tage nach der Explosion am Strand von Gaza, bei der sieben Mitglieder einer palästinensischen Familie getötet wurden, weiß man noch immer nicht mit Sicherheit, was zu dem Unglück geführt hat. Es ist nicht klar, ob es sich um eine fehlgeleitete Granate handelt, die von der Geschützbatterie im Norden das Gazastreifens abgefeuert wurde, oder um einen inner-palästinensischen Zwischenfall – einen Sprengsatz oder eine Miene, die am Strand gegen die israelischen Truppen platziert war oder vielleicht eine Qassam-Rakete, die fälschlicherweise auf dem Strand einschlug.
Gemäß den Angaben, über die die Armee verfügt, wurde am Freitag um 16:52 Uhr die letzte israelische Granate auf den Gazastreifen abgefeuert. Die Palästinenser berichteten, dass sich die Explosion am Strand kurz nach 17:00 Uhr ereignete.
In der israelischen Armee verhärtet sich mehr und mehr der Verdacht, dass es sich um einen palästinensischen Vorgang handelte. Vertreter des Nachrichtendienstes erklärten, dass Hamas-Leute am Unglücksort waren und das Gelände absuchten, noch bevor Mitarbeiter des palästinensischen „Präventiven Sicherheitsdienstes“ zum Strand kamen. Hinzu kommt die Tatsache, dass die Palästinenser bei der Ermittlung zunächst nicht mit den israelischen Behörden zusammenarbeiten wollten. (Yedioth Ahronoth, 12.6.)
Zwei Palästinenser aus Gaza im Krankenhaus in Israel
Zwei Palästinenser, die bei einer Explosion am Freitag verletzt wurden, liegen in Israel im Krankenhaus. Der Junge Adham Ali Ralia wurde am Samstagabend zur ärztlichen Behandlung ins Krankenhaus Soroka in Be’er Sheva gebracht. Nach Krankenhausangaben befindet sich das Kind in sehr schwerem, aber stabilem Zustand. Der Junge wurde an Bauch und Beinen von Splittern getroffen. Zunächst bestand die Befürchtung, dass ein Bein amputiert werden muss, doch konnte dies verhindert werden. Der Junge ist in Begleitung seines Onkels Atiya Ralia nach Israel gekommen, der ihn im Krankenhaus betreut.
Am Samstagabend wurde auch die Schwester von Adham, die 21-jährige Aliham Ralia, ins Krankenhaus Ihilov in Tel Aviv eingeliefert und wird auf der Intensivstation behandelt. Das Krankenhaus teilte gestern mit, dass die junge Frau unter Narkose steht und beatmet wird. Auch die übrigen Familienmitglieder wurden bei dem Zwischenfall verletzt.
Die Familie Ralia will ihre Familienangehörigen, die sich noch in Krankenhäusern in Gaza befinden, in ein Krankenhaus in Israel bringen lassen. Das Büro des Verteidigungsministers teilte mit, dass der Staat Israel die Kosten für die Behandlung aller Familienmitglieder, die bei der Explosion verletzt wurden, übernehmen wird. (Haaretz, 12.6.)





















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